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Auf Weltreise mit den Millibillies

And the Beat goes on: Wieder eine furiose Grips-Liederparade

And the Beat goes on: Die Millibillies unterwegs – Foto: David Baltzer / bildbuehne.de
ZITTY-Bewertung 6/6

Zum Erfolg der legendären Kinderstücke des Grips Theaters haben nicht ganz unwesentlich die Lieder beigetragen. Hauskomponist Birger Heymann machte nämlich Popsongs aus den Texten von Volker Ludwig, keine nur dienende Theatermusik. Deshalb funktionieren Grips-Hits wie „Doof gebor’n ist keiner“ oder „Wir werden immer größer“ auch so gut außerhalb ihres ursprünglichen Kontextes.

Das hat bereits 2012 die Produktion „Die fabelhaften Millibillies“ gezeigt, die die inzwischen verstorbene Regisseurin Franziska Steiof mit dem Ensemble um elf Grips-Kinderliedklassiker gestrickt hat. Längst ist das Stück ein Repertoirerenner des Grips, weshalb es natürlich mit der titelgebenden Band Die Millibillies um das Mädchen Emilia weitergehen muss.

Die Millibillies rocken die Bühne: Nina Reithmeier und Jens Mondalski (vorne), Thomas Ahrens, George Kranz und Robert Neumann (hinten) – Foto: David Baltzer / bildbuehne.de

Steiofs Regieassistent Gabriel Frericks hat nun die Regie des „inszenierten Konzerts“ übernommen. Doch vor allem ist es eine Ensembleproduktion und eine mitreißend zu spürende Herzensangelegenheit aller Beteiligten. Emilia (toll in Stimme und Präsenz: Nina Reithmeier) geht mit ihrer Traumband jetzt auf Welttournee. Mit dem bärbeißigen Major Tom (Thomas Ahrens) an der Gitarre, dem schrillen Prof. Bob (Robert Neumann) an den Tasten, dem coolen Commander George (George Kranz) am Schlagzeug sowie dem zaghaften Freund Tobias (Jens Mondalski) am Bass reist sie mit der Kraft der Phantasie und munter singend von Island über New York bis in die Südsee und dabei gleich noch durch die halbe Grips-Musikgeschichte vom „Drecklied“ aus „Stockerlok und Millibilli“ (1969) bis „Können kann ich manches“ aus „Spaghetti und Ketschup“ (1979).

Songs aus den letzten Grips-Jahrzehnten fehlen, was wohl daran liegen mag, dass Birger Heymanns Nachfolger eher Bühnenmusiken als  Popsongs komponiert haben. Dafür haben Kranz und Neumann aber ihrer traumhaften Sängerin mit „Kinder brauchen Platz“ und „Verreisen“  zwei funkelnagelneue Grips-Lieder auf den Leib geschrieben. „Ich will ganz weit weg verreisen“, singt Emilia da, „und ganz Berlin kommt einfach mit.“ Schließlich weiß ja jedes Grips-Kind: „Einer ist keiner, zwei sind mehr als einer. Sind wir aber erst zu dritt, machen alle anderen mit!“

Ja, mit dieser Band gehen die Kinder (ab 5 Jahre) sichtlich gern auf die Tour – bis hinauf zum Mars. Und falls Die Millibillies noch einen Roadie brauchen sollten – ich käme auch mit. Das wär ein Traum! FRIEDHELM TEICKE

17.12., 16 Uhr, 19.+20.12., 10.30 Uhr, Grips Podewil, Klosterstr. 68, Mitte. Regie: Gabriel Frericks; mit Nina Reithmeier, Jens Mondalski, Thomas Ahrens, George Kranz, Robert Neumann. Eintritt 10, erm 7 €