Berliner Sammlungen

Aus dem Archiv von Kasper König

Es sollte nicht zu angeberisch wirken. Das war der einzige Wunsch von Kasper König, den sein Assistent Andreas Prinzing und Galerist Thomas Fischer beachten sollten, als sie die aktuelle Ausstellung „I dreamed I was leaving on a trip but I forgot my money“ in der Galerie Thomas Fischer kuratiert haben. „Bei Gerhard Richter hätten die Leute sofort Dollarzeichen in den Augen bekommen“, sagt der Berliner Kurator und Ex-Museums­direktor über ein Stück aus seiner Sammlung, das absichtlich nicht gezeigt wird.

„I dreamed I was leaving on a trip but I forgot my money“: Werke aus der Privatsammlung Kasper König Thomas Schütte, Friederike Feldmann, Jürgen Drescher/Reinhard Mucha, Richard Artschwager (v.l.n.r.). Foto: Torben Höke, Courtesy Galerie Thomas Fischer

Prinzing und Fischer haben sich auf eine bunte Auswahl aus Königs unverkäuflicher Sammlung geeinigt, die reich an persönlichen Widmungen und Anekdoten ist. Rund zwei Drittel der 105 Arbeiten sind in der Petersburger Hängung präsentiert. Hier häufen sich bekannte Namen wie Hanne Darboven, Sigmar Polke, Thomas Schütte und Jonathan Borofsky. Besonders mag Kasper König, 74, eine Fotografie von Blinky Palermo, die das auf eine Fassade projizierte Abbild eines farbigen Stoffs zeigt. Für König ist sie ein „ästhetisches Ideal und magisch“. Um die Zeit ihrer Entstehung befand König sich in New York. Nachdem er im Atelier von Claes Oldenburg gearbeitet und 23-jährig mit dem Künstler 1966 eine Museumsausstellung kuratiert hatte, bekam er die „Grüne Karte“ und blieb zwölf Jahre in den USA. Der Künstler Dan Graham wurde eine Art Mentor für ihn. „Er hat auf Dinge hingewiesen, die wichtig waren“, sagt König mit Blick auf eine unbetitelte Studie des Künstlers. „Graham ist ein intellektueller Herausforderer und kritischer Geist.“ König brachte Vertreter der US-amerikanischen Kunstszene mit der deutschen zusammen und empfahl dem Galeristen Konrad Fischer Künstler wie Richard Long.

 

König in New York, Münster, an Rhein und Main sowie Berlin

Als König zurück nach Deutschland kam, etablierte er gemeinsam mit Klaus Bußmann 1977 die „Skulptur Projekte Münster“. Die Zusammenarbeit mit Oldenburg ging weiter. Die gezeichnete ­Vision der riesigen Billardkugeln, die heute am Ufer des Münsteraner Aasees liegen, zählt bei ­­Fischer zu den größeren Exponaten. König folgte einem Ruf der Kunstakademie Düsseldorf, bis ihm 1988 die Städelschule in Frankfurt am Main erst eine Professur und dann die Leitung anbot. An diese Zeit erinnert Candida Höfers Fotografie „Städelschule Frankfurt am Main“ (1993/98). Auch Diskurse, aus denen Freundschaften entstanden, verbindet König mit den Werken. In seiner Sammlung befinden sich deshalb neben erworbenen Stücken auch Geschenke, die er anfangs noch ablehnte. „Ich habe dann aber erkannt, dass das Ablehnen auch eine Beleidigung sein kann“, kommentiert er eine Grußkarte von Nicole Eisenman.

„I dreamed I was leaving on a trip but I forgot my money“: Werke aus der Privatsammlung Kasper König. Hier: Hans-Peter Feldmann, Michael Reiter, H.C. Westermann, Edward Kienholz, Marcus Weber (v.l.n.r.) Foto: Torben Höke, Courtesy Galerie Thomas Fischer

Vielleicht kann man die aktuelle Ausstellung mit Königs Abschiedsschau am Kölner Museum Ludwig vergleichen, das er 2012 nach zwölf Direktorenjahren verließ. Er stellte eine ähnliche Anzahl von Arbeiten aus, die ihm wichtig waren. Anders als damals zeigt die Berliner Ausstellung, dass die Regeln der Kunstwelt in Königs Archiv nicht per se eine Rolle spielen. Hier finden sich auch Zeichnungen ­des obdachlosen polnischen Malers Nikifor, die König an „den frühen Chagall“ erinnern. Er kaufte Nikifor, der später als Outsider Artist bekannt wurde, die vier ausgestellten Bilder auf der Straße ab. An den Wänden richtet sich nichts nach Gewinn. Das Konzept ist einer Galerie so fern, wie es nur geht. Es in einer solchen verwirklicht zu finden, wirkt erfrischend unbeschwert.

Bis 31.3.: Galerie Thomas Fischer, Potsdamer Str. 77–87, Tiergarten, Di–Sa 11–18 Uhr

 

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