Kino

Aus dem Nichts

Die größte Stärke des deutschtürkischen ­Regisseurs Fatih Akin, eigentlich schon seit seinem furiosen Langfilmdebüt „Kurz und schmerzlos“ (1998), aber mit dem ­Berlinale-Gewinner „Gegen die Wand“ (2004) erstmals zur Meisterschaft geführt: Der 44-jährige Hamburger versteht es wie kaum ein anderer in der hiesigen Kinolandschaft, ganz direkt und ohne ­Umschweife zu erzählen und dabei emotional eine ­extrem starke Verbindung zwischen seinen Figuren und dem Zuschauer aufzubauen. So auch hier.

Aus dem Nichts
Foto: Warner Bros.

Nach einem Knastaufenthalt hat sich der Kurde Nuri (Numan Acar) mit seiner deutschen Frau Katja (Diane Kruger) und dem ­kleinen Sohn Rocco (Rafael Santana) eine solide Existenz aufgebaut. Doch „Aus dem Nichts“ werden Nuri und Rocco Opfer bei einem heimtückischen Bombenanschlag. Das Motiv: Ausländerhass. Die Tat wurde von einem Neonazi-Pärchen begangen, und Katja hofft vor Gericht auf Gerechtigkeit.

Doch die Verhandlung läuft nicht so glatt wie erwartet, auch weil bei ­Katja Drogenkonsum nachgewiesen werden kann. Herr Haberbeck (Johannes Krisch), der Verteidiger der Gegenseite, läuft zu großer Form auf. Schließlich fühlt sich Katja genötigt, selbst zu handeln.

Eines ist offensichtlich: Fatih Akin hat ­Diane ­Kruger („Inglourious Basterds“, „Barfuß auf Nacktschnecken“) die Rolle ihres Lebens auf den Leib geschrieben, sie erhielt in Cannes hochverdient den Darstellerpreis und strafte damit viele Kritiker ihrer Schauspiel-Künste Lügen.
Und Fatih Akin versteht es erneut, gekonnt auf der emotionalen Klaviatur zu spielen, ganz vordergründig und direkt. Glänzend auch der wunderbare Johannes Krisch ­(„Revanche“) als Anwalt, der zum Hass­objekt stilisiert wird, obwohl er nur mit Verve seinen Job macht.

Auch wenn dem einen oder anderen das alles viel zu direkt und auf die Wirkung hin inszeniert ist – kalt lässt „Aus dem Nichts“ ganz bestimmt niemanden. 

D 2017, 105 Min., R: Fatih Akin, D: Diane Kruger, Dennis Moschitto, Johannes Krisch, Samia Chancrin

Aus dem Nichts (2017)

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