Dokuessay

Aus einem Jahr der Nichtereignisse

Dieser Film zeigt nicht viel von dem, was gemeinhin als interessant gilt. Stattdessen sieht man ein Jahr aus dem Leben eines ­alten Mannes, der auf einem Bauernhof in Norddeutschland lebt. Willi D. bahnt sich mit seinem Rollator kleine Wege durch sein zuwucherndes Anwesen, er redet manchmal ein wenig vor sich hin. „Herr D. erlebt seinen Tagesablauf als sinnvoll“, heißt es einmal unvermittelt, aber daran zweifelt man zu diesem Zeitpunkt schon gar nicht mehr.

Aus einem Jahr der Nichtereignisse
Auch hier passiert nichts… Foto: Steppenwolf

Ein Jahr lang haben Ann Carolin Renninger und René Frölke mit Willi D. zugebracht und bei ihm gefilmt. Dieses Jahr haben sie dann auf knapp eineinhalb Stunden verdichtet. Das Ergebnis ist eine der stärksten Kinoerfahrungen seit langer Zeit. Mit dem Titel deklarieren die Filmemacher, worauf man sich gefasst machen muss: auf ein Experiment mit dem Erleben von Zeit, auf Bilder und Töne, die der Beziehung zwischen Kamera und Welt eine neue Ernsthaftigkeit geben.

Die Filmemacher*innen haben nicht ­digital gedreht, sondern mit Kameras, denen die Kostbarkeit der filmischen Zeit gleichsam eingebaut ist, weil sie nur ­kurze Aufnahmen zulassen. So kann man sich diesem Film so überlassen, als wäre man selbst den Jahreszeiten ausgesetzt. Man schließt Freundschaft mit Willi, und bekommt eine Ahnung davon, was es heißen könnte, dass das Kino den Tod bannt, indem es ihm bei der Arbeit ­zusieht. 

D 2017, 83 Min., R: Ann Carolin Renninger, René Frölke, Start: 14.6.

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