Musik-Theater für Kids und Teens

Austausch und Inspiration

Das bundesweite Festival „Spurensuche 14“ zeigt unter dem Motto „Musik! Neu! Denken!“ klangvolle Stücke für Kinder und Jugendliche

Text: Teresa Schomburg

Fetziges Jugendstück zur Eröffnung: „Ich bin Jerry“ vom Theater Kohlenpott – Foto: Tom Jasny

Jerry ist verliebt. Doch immer wieder funken zweifelnde Stimmen dazwischen: Kontrolle ist besser, Vertrauen out in Zeiten von ­Google und Co. Umgesetzt hat das Theater Kohlenpott Jerrys Konflikt als fetziges Jugendstück mit minimalistischem Bühnenbild aber viel Musik, die vom Gitarren-Protestlied über einen Rap bis zum ­Disco-Kracher reicht. Mit „Ich bin Jerry“ und einer bunten Eröffnungsschau inklusive Ansprache von Kultursenator Klaus ­Lederer startet am Sonntag das vom Kinder- und Jugendthea­ter-Netzwerk ASSITEJ ins Leben gerufene Festival „Spurensuche“.

Es will weniger Leistungsschau sein, als vielmehr zu Austausch und Inspiration anregen. Alle zwei Jahre kommt dieses Jugend­theatertreffen in eine andere Stadt. In Berlin machte es zuletzt vor zehn Jahren halt, damals im Theater Strahl und der Havarie Potsdam. Umso aufregender ist es angesichts des diesjährigen Musik-Schwerpunkts fürs Atze Theater, zum ersten Mal Gastgeber zu sein. „Das gibt uns die Möglichkeit, die Diskussion weiter voranzutreiben, wie man mit Musik das Sprechtheater bereichern kann“, sagt Atze-Intendant Thomas Sutter.

Die sechs ausgewählten Stücke decken eine enorme stilistische Bandbreite ab, auch was die Alterspanne des anvisierten Publikums betrifft. Während „Ich bin Jerry“ sich an Teenager ab 13 Jahren richtet, finden schon Dreijährige Freude an „Das kleine Licht bin ich“ des T-Werk Potsdam: Zwei Wesen erschaffen ihre eigene Welt aus Licht und Schatten, die ohne Worte, aber nicht ohne Klänge von Glockenspiel und Kontrabass auskommt.

Eine besonders gelungene Klang-Spiel-Kombination ist dem Theater Pfütze Nürnberg mit der märchenhaften Inuit-Geschichte „Das Kind der Seehundfrau“ geglückt. Die Darsteller wechseln immer wieder die Rollen, agieren und musizieren dabei in einem wandelbaren Würfel aus Gongs, Trommeln und Xylophonen.

Gastgeber Atze zeigt seine preisgekrönte Inszenierung „Spaghettihochzeit“ im Rahmenprogramm – Foto: Jörg Metzner

Weitere spannende Inszenierungen sind im Rahmenprogramm zu sehen. Etwa das 2017 für den Ikarus-Preis nominierte Flucht-Stück „Akim rennt“, sowie Atzes prämierte „Spaghettihochzeit“ und das belgische Theater-Konzert „Karandash“.

Bei einer von Thomas Sutter und Komponistin Sinem Altem moderierten Panorama-Schau mit dem Titel „Diversität musikalisch denken“ werden elf weitere Produktionen in Ausschnitten vorgestellt, teils live, teils als Videoaufzeichnung. Anschließend können Besucher in Form eines Barcamps diskutieren. Bei dieser kreativen Debatten-Form gestalten die Teilnehmer die Tagesordnung selbst.

Zum Abschluss am Donnerstag wird dann elegant zum nächsten wichtigen Event übergeleitet: Auf der Studiobühne läuft das WM-Eröffnungsspiel.

10.–14.6., Atze Musiktheater, Luxemburger Str. 20, Wedding. Eintritt Stücke bis 12 Jahre 10 €, Stücke ab 13 Jahre 12 €,
www.spurensuche-theatertreffen.de