Westbams Club-ABC

B wie Bunker

Eine Berliner Technolegende, ein Platz außerhalb von Raum und Zeit. Und ich kann sagen:  Ich war da. Ich habe dort mit DJ Rok eine Party gespielt. Bezeugen kann dies mein alter Freund Marco, dessen Musikgeschmack so hart war, dass er morgens PCP zum „Chill-Out“ hörte, und wenn man seinen Schilderungen Glauben schenken darf, war es so: Vom Prinzip her potenzierte der Bunker das Image des Tresorkellers. Noch dunkler, noch feuchter, noch nebliger.
Der Bunker fing schon hart an und wurde immer härter. Später wurde er eine der großen Kultstätten für die Geschichtsschreibung der kleinen, aber feinen Gabber-Bewegung Berlins.
Biblisch überliefert ist wohl, dass von Gabber die Gabbernasen kamen. Aus denen wurden die Gabbernauten, daraus schließlich die Gabbernation, deren Laden und Ursprung stets der Bunker war. So blieb ihm immer stets das Image als: Der härteste Club der Welt! Dabei hatte der Bunker auch immer eine verruchte Komponente, die das Techno-Image maßgeblich mitprägte. Er verlieh ihm einen Hauch von Sodom & Gomorrha. So war hier der Kreuz Club zu Hause, ein Vorläufer des Kitkat-Clubs mit seinen Fetischparties. Die lustigste Geschichte, die ich über den Bunker je hörte, ist, dass irgendwann folgendes Gerücht umging: Die Nazis hätten dort kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs riesige Mengen von Merck-Kokain vergraben. Irgendein irrer Russe glaubte diese Geschichte wohl und buddelte nach der After Hour drei Meter in den Boden – ohne was zu finden. Echtes Raverlatein!

Lage. Albrecht- /Ecke Reinhardstraße (Mitte)
Beschriebener Zeitraum. ca. 1993
Typische Hits des Ladens. Alles von Mokum Records

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