Medien und Malerei

Alpin Arda Bağcık

Fotorealismus hat oft Ironie – aber nicht bei AAlpin Arda Bağcık. Seine Fake-News- Bilder zeigt er in der Galerie Zilberman

Alpin Arda Bağcık ist Maler einer sogenannten postfaktischen Zeit, in der laut Definition nicht Tatsachen, sondern Gefühle, Ressentiments und Manipulationen das politische Geschehen bestimmen.

Foto: Chroma. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Zilberman, Istanbul/Berlin
Alpin Arda Bağcık: Medazepam, 2019, Öl auf Leinwand, 30 Teile / je 33 x 60 cm; Ausstellungsansicht Apocrypha (22.11.19–08.02.20). Foto: Chroma. Mit freundlicher Genehmigung des Künstlers und Zilberman, Istanbul/Berlin

Mit seiner ersten Berliner Solo-Ausstellung in der Galerie Zilberman stellt Bağcık, 1988 in der Türkei geboren, Gemälde nach Bildern von ikonischer Kraft, gefunden in Massenmedien. Wie jene Serie, die das Selfie des syrischen Asylsuchenden Anas Modamani mit Angela Merkel thematisiert. Facebook-Nutzer montierten Modamanis Aufnahme mit einem Foto des Selbstmordattentäters vom Brüsseler Flughafen zusammen und unterstellen Modamani so Nähe zu dem Terroristen. Bağcık nun manipuliert seinerseits, indem er die ursprüngliche Aufnahme abmalt und das Bild immer wieder kopiert. Die zunehmend verwischten Farben erinnern an verzerrte TV-Bilder, bis das Motiv nicht mehr zu erkennen ist.

Dagegen bleiben in einem Bild wie „Amitriptilin“ die Tatsachen unverschleiert, doch die kommentarlose, auf Schwarzweiß reduzierte Wiedergabe von Momenten wirkt umso mehr desorientierend. So sehen die Politiker in westlicher und traditionell arabischer Kleidung, die sich um eine Lichtquelle versammelt haben, wie Teilnehmer eines okkulten Ritus aus. Das Wissen um den Verlust zuverlässiger Wahrnehmung wirkt alarmierender als jede dystopische Spekulation über die Zukunft.S


Bis 8.2.: Zilberman Gallery, Goethestr. 82, Charlottenburg, Di–Sa 11–18 Uhr