Kino

Ballon

Michael Bully Herbig macht jetzt mal ernst. Ganz ernst. Völlig ohne Quatsch und Gags. Er hat einen Thriller gedreht, ohne ironische Brechungen und nach amerikanischem Genrevorbild, aber über ein Stück deutsch-deutscher Geschichte. Denn mit „Ballon“ greift er eine wahre ­Begebenheit auf – eine spektakuläre Flucht aus der DDR über die Grenze nach Westdeutschland.

1979 bauen und nähen zwei Thüringer Familien unentdeckt einen Heißluftballon. Der erste Versuch, damit nachts in der Gondel nach Franken zu treiben, geht ­allerdings schief. Der Ballon landet unsanft nur knapp vor der West-Grenze im Wald. Mit viel Glück fliegen sie nicht sofort auf. Sie haben aber Spuren hinterlassen und müssen so schnell wie möglich einen neuen Ballon für den zweiten Fluchtversuch bauen, weil ihnen die Stasi auf den Fersen ist.

Ballon
Foto: Studiocanal/Marco Nagel

Ohne dabei die zwischenmenschlichen Aspekte zu vernachlässigen, hält Herbig die Handlung als klassisches Rennen ­gegen die Zeit permanent in Bewegung und versucht, die zunehmend ­brenzligere Situation durch eine Atmosphäre der (An-)Spannung spürbar zu machen. Die Inszenierung mag dabei zwar nicht sonderlich raffiniert sein, dafür sind Plot-Mechanik und Handwerk zu sichtbar. Über weite Strecken effektiv spannend ist die waghalsige Fluchtgeschichte aber allemal.

D 2018, 120 Min., R: Michael Bully Herbig, D: Friedrich Mücke, Karoline Schuch, David Kross, Alicia von Rittberg, Start: 27.9.

Infos und Termine:

Ballon (2018)