Kino

Beale Street

Die ersten beiden Sequenzen von ­„Beale Street“ könnten kaum gegensätzlicher sein: Eben noch hat man ein schwarzes Liebespaar sich einander zärtlich umwerben ­gesehen, da sitzt der junge Mann auch schon unschuldig im Knast. Er wird beschuldigt, eine Puertoricanerin vergewaltigt zu haben; als Zeuge tritt ein rassistischer weißer Polizist auf.

Damit ist der sehr einfache Konflikt des auf dem Roman „If Beale Street Could Talk“ (1974) von James Baldwin basierenden Films etabliert, den Regisseur Barry Jenkins auf sein Oscar-prämiertes Drama „Moonlight“ folgen lässt: Die Verkäuferin Tish (KiKi Layne) und der angehende Bildhauer Fonny (Stephan James) möchten in Harlem ein gemeinsames Leben aufbauen. Doch das ist in der US-Gesellschaft der ­frühen 1970er kaum möglich, alltäglicher Rassismus und massive Diskriminierung begleiten die beiden auf Schritt und Tritt. Bereits die Wohnungssuche stellt für das Paar eine fast unüberwindbare Hürde dar – niemand will an Schwarze vermieten.

Beale Street . Foto: Annapurna Releasing

Dabei ist die in einem intelligent ver­wobenen Geflecht von Rückblenden und Gegenwartsszenen vorwiegend aus Tishs Sicht erzählte Geschichte aber nicht einfach ein Lamento über längst bekannte ­gesellschaftliche Missstände. Eher im Gegenteil: „Beale Street“ erweist sich vor ­allem als eine große Liebes- und Familienstory, die vom Versuch der Protagonisten erzählt, ­einander trotz der widrigen Umstände Halt zu geben und die Hoffnung nicht zu verlieren. Doch auch innerhalb der Fami­lie steht nicht immer alles zum Besten: So erweist sich etwa Fonnys Mutter als eine heuchlerische Zicke, die der mittlerweile schwangeren Tish alle Schuld am Schicksal ihres Sohnes zuweist.

Inszenatorisch lebt „Beale Street“ (wie schon „Moonlight“) von einem sehr interessanten Kontrast: Während die Wertigkeit geschliffener Dialoge und der Szenenaufbau auf die literarische (und/ oder theatrale) Herkunft des Materials verweisen, zeigt sich vor allem in der Verwendung von Farbe und den expressiven Großaufnahmen der ­Gesichter eine große Meisterschaft von Barry Jenkins. Er ist einer der bedeutenden visuellen Stylisten des US-Gegenwartskinos. 

„If Beale Street Could Talk“; USA 2018, 119 Min., R: Barry Jenkins, D: KiKi Layne, Stephan James, Regina King, Colman Domingo, Start: 7.3.

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