Berlin

Bebauung des Tempelhofer Felds?

Befragt das Volk noch mal zum Feld!

Erik Heier würde das Tempelhofer Feld an den Rändern bebauen. Wir haben ja nicht mehr 2012
Foto: F. Anthea Schaap

Die meisten Berliner sind gegen Luxus. Jedenfalls wenn es um Wohnungen geht. Oder was die meisten Berliner für Luxuswohnungen halten. In Pankow reicht schon ein zweites Bad. Dabei kann das sehr sinnvoll sein. Etwa wenn man zwei Töchter hat.
Die meisten Berliner sind für Luxus. Jedenfalls, wenn es um das Tempelhofer Feld geht. Den Luxus der Leere, mitten in der Stadt. Leere in Monaco-Ausmaß. Wie geil ist das denn? Hach. Und die Feldlerchen erst.
Ich finde diese riesige Brache ja auch toll. Dafür muss man dann nicht nach Brandenburg raus. Anders als viele, die jetzt in Berlin keine leistbare Wohnung mehr finden. In Brandenburg gibt es noch große Bauflächen. Aber will man da hin?

Deshalb geht die Debatte um die Bebauung des Tempelhofer Feld wieder los, fünf Jahre nach dem Volksentscheid. Aber sie fängt schon wieder falsch an. Da geht es nicht um die Bebauung des ganzen Feldes, sondern nur der Ränder. Die Frage ist auch nicht, ob die Stadt entweder dort bauen sollte oder erst mal die allerletzten Baulücken schließt und noch ein paar Kleingärten zusätzlich plattmacht. Aber seit 2012 ist Berlins Wohnungsmarkt eskaliert. Das wird nicht besser. Ohne Neubau gleich gar nicht. Neubau nicht nur hier oder dort. Überall.

Auch Volksentscheide gelten weder für immer und ewig, noch sind sie zwangsläufig superschlau. Man denke nur an das Brexit-Referendum. Wenn die Stadt sich weiter die Feldleere leisten will, bitte sehr. Aber den Luxus gibt es nicht für lau. Deshalb schlage ich einen neuen Volksentscheid vor. Entweder Randbebauung auf dem Feld – oder auf einem Viertel aller Berliner Kleingärten.

Ich hole mir dann schon mal Popcorn.


Volksentscheid ist Volksentscheid!

Jacek Slaski findet, dass die Berliner Politik den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld zu respektieren hat
Foto: Harry Schnittger

Es ist ja richtig, Berlin braucht billigen Wohnraum. Dass die Stadt systematisch landeseigene Wohnungen an private Investoren verscherbelt hat und ganz allgemein die Politik es nicht schafft, uns Mieter gegen den (nahezu) ungebremsten Wahnsinn auf dem Wohnungsmarkt zu schützen, ist eine Tatsache. Jetzt will Michael Müller auf dem Tempelhofer Feld bauen und tut so, als wäre das die Rettung für die gebeutelte Stadt. Doch erstens lassen sich Versäumnisse, Nachlässigkeit und fehlender Weitblick der Vergangenheit so nicht lösen. Denn niemand, auch kein Michael Müller, kann glaubhaft versichern, dass auf dem Feld, ob nun am Rand oder sonstwo, nicht doch nur hochpreisige Eigentumswohnungen für die finanzstarken Neuberliner entstehen werden. Schaut man sich Neubau-Projekte an, ist es recht selten vorstellbar, dass da Geringverdiener, migrantische Familien, Studenten oder  alleinerziehende Mütter einziehen werden. Es mag nach Politikverdrossenheit klingen, aber so viel Misstrauen sollte angesichts der Entwicklungen auf dem Berliner Immobilienmarkt schon erlaubt sein.

Zweitens, und das ist doch der eigentliche Skandal, haben wir Berliner doch vor wenigen Jahren über just diese Frage unser Votum abgegeben. In einem amtlichen Volksentscheid, aus dem ein Gesetz wurde und somit ist das doch geltendes Recht. Oder nicht!? Wenn man schon die Bürger entscheiden lässt, sollte man sich als Politiker hüten, kurz darauf die ganze Sache doch wieder so zu drehen, wie es einem gerade in den Kram passt. Dann machen Volksentscheide gar keinen Sinn und das Vertrauen in die Politik sinkt weiter.