TANZ-PERFOMANCE

Verliebt ins Dazwischen

Das Künstlerduo Wilhelm Groener schnürt anregende Performancepakete.  In  der neuen Produktion „becoming undone – Part III“ macht es Lichtforschung

Text: Annett Jaensch

„becoming undone – Part III“: Körperreise durch das Phänomen Licht – Foto: Wilhelm Groener
„becoming undone – Part III“: Körperreise durch das Phänomen Licht – Foto: Wilhelm Groener

Zwei Menschen und 2.000 Ping-Pong-Bälle als Wimmelbild der Möglichkeiten: Willkommen im Performance-Kosmos von Wilhelm Groener. Mariola Groener und Günther Wilhelm, die Köpfe hinter dem künstlerischen Pseudonym, hatten im August 2015 zum Auftakt ihrer jüngsten, mehrteiligen Körperrecherche in das Kunstquartier Bethanien geladen. In „becoming undone – Part I“, einem Hybrid zwischen Ausstellung und Performance, ließ sich gut beobachten, welche Pfade das Kreativgespann aktuell beschreitet. Mit Anleihen quantentheoretischer Texte im Ärmel ging es in der Versuchsanordnung darum, Körperbilder und Objekte fortwährend in Beziehung zueinander zu setzen. Das Publikum auf einer Empore durfte sich bei diesem Mikro-Makro-Schauspiel wie in einer Labor­situation fühlen.

Was nach spröder Konzeptkunst klingen mag, kommt bei Wilhelm Groener als subtil anregendes Performancepaket daher, ironisches Augenzwinkern inklusive. Ein eingespieltes Team sind sie, die Bildende Künstlerin Mariola Groener mit Fotografie- und Filmhintergrund und der Tänzer Günther Wilhelm, der langjähriges Mitglied bei VA Wölfls Neuer Tanz in Düsseldorf war.

2001 verschmolzen sie ihre Namen zu einem Alter Ego für gemeinsame Projekte. 20 Bühnenproduktionen sind seither entstanden. Dass sich Tanz, Performance, Happening oder Installation je nach Thema munter mischen können, ist mittlerweile ein Markenzeichen geworden. „Aus den Elementen entsteht ein ganz eigener Zwischenraum, mit einem Label wollen wir unsere Arbeit ganz bewusst nicht versehen“, betont Günther Wilhelm.

Wie lädt man mit einem solchen Verständnis von der eigenen Kunst Stücke mit gesellschaftlicher Relevanz auf? Tagespolitisches interessiere sie nicht, das sei zu einschränkend, zu dozierend, findet Mariola Groener. „Wir sehen uns nicht als Gruppe, die etwas erklärt, sondern eher reflektiert und ein Angebot schafft.“

Es ist die spielerische Verbindung von Abstraktion und Ambivalenz, die ihnen liegt und durch deren Folie brisante Themen durchscheinen. So befragte etwa die zwischen Komik und Schrecken schwingende Interaktion dreier Tänzer in „Hotel Hassler“ (2008) unser Empathieverständnis. Das als Künstlertreffen angelegte „exercitatio et labor: JOY“ (2011) wiederum wollte den Zusammenhang von individueller Verantwortung und gemeinsamem Handeln entfalten.

Beim Betreten der stets präzise ausgetüftelten Bühnenwelten von Wilhelm Groener kommt man nicht umhin, die eigene Wahrnehmungsbrille genauer zurechtzurücken. Bei „becoming undone – Part III“ wird das nicht anders sein. Nachdem der Mittelteil das Thema Wandelbarkeit unter die Lupe nahm, soll das Zyklusfinale nun ganz der Wechselwirkung von Licht und Körpern gehören.

Das Künstlerduo will nicht schon vor der Premiere sämtliche Details offenbaren, nur so viel sei zu den Aufführungen in den Uferstudios verraten: Intimer soll der Rahmen der Präsenta­tion dieses Mal werden. Das abgesenkte Studio 1, das ein wenig an ein leeres Schwimmbecken erinnert, wird sich mit einer Mischung aus Tänzen, Experimenten und Projektionen in eine Art „performativen Salon“ verwandeln. „Vom konkret Physikalischen über Licht als Metapher, in allen positiven und negativen Konnotationen“, umreißt Günther Wilhelm die geplante Reise durch das Phänomen Licht. Auf Erhellendes darf man also gespannt sein.

7.–11.12., 20.30 Uhr, Uferstudios, Studio 1, Badstr. 41a, Wedding. Choreografie: Mariola Groener, Günther Wilhelm; mit Rudi Fischerlehner, Mariola Groener, Assaf Hochman, Günther Wilhelm. Eintritt 13, erm. 8 €

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