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Beim Drohnen-Rennen

Schlecht wird Christian mittlerweile nicht mehr, wenn er durch die Luft fliegt. Der Hobbypilot lässt sich fallen, Sturzflug nach unten, ein Looping, und zwischendurch – was für ein wahnsinniger ­Moment – sieht er sich selbst, wie er auf sich zufliegt. Denn eigentlich steht Christian am ­Boden. Die waghalsigen Manöver führt er mit seiner ­Drohne aus, mit einer Brille loggt er sich während des Fluges in die Kamera der Drohne ein. „Das fühlt sich an, als wäre ich selbst in der Luft“, sagt er.

Auf Drohnenpiloten, deren Augenpartie durch eine Bildschirm-Brille verdeckt ist, stößt man ­immer wieder bei DroneMasters, Deutschlands erster Drohnen-Meisterschaft. Die Idee, ein ­solches Event nach amerikanischem Vorbild zu organisieren, hatte Frank Wernecke. Dem 41-Jährigen schwebte zunächst ein kleiner Rahmen vor, ein Treffen unter Freunden. Dann meldeten sich über 50 Drohnenpiloten aus ganz Deutschland an.

Drinnen beim Parcours sind die Regeln bis zum Schluss nicht ganz klar. „Also, wir versuchen jetzt mal, sechs Piloten zu finden, die mit eigener ­Drohne angereist sind“, schlägt Wernecke durchs Megafon vor. „Die fliegen gegeneinander eine ­Runde. Ist das okay für alle?“ Ohnehin spielt der Wettbewerbsgedanke kaum eine Rolle. Die Szene nutzt die Gelegenheit, um sich kennenzulernen, auszutauschen, ein Bierchen zu trinken.

Die Drohnentechnik hat große Fortschritte gemacht, die Gesetzeslage hinkt hinterher

Der 38 Jahre alte Informatiker Felix Hupfeld hat seine aktuelle Drohne vor drei Jahren komplett selbst gebastelt und rüstet sie seitdem ­immer ­wieder auf. „Die erste Kontrolleinheit habe ich damals noch aus einer Videospielkonsole ­geschraubt“, sagt er.

Die Drohnentechnik hat große Fortschritte gemacht in den letzten Jahren. Kleine Exemplare sind für 150 Euro erhältlich. Amazon spielt mit dem ­Gedanken, via Drohne Warensendungen ins Haus liefern zu lassen. Und im Katastrophenschutz klären Drohnen über die Situation vor Ort auf, ­lange bevor der erste menschliche Helfer eintrifft.

Die Gesetzeslage allerdings, so die einhellige Meinung in der Szene, hinkt hinterher. Die beliebten Flüge mit Videobrille sind nur dann erlaubt, wenn eine weitere Person vor Ort ist, die direkten Sichtkontakt zur Drohne hat – und auf dem Außengelände der Trabrennbahn wurden die Flüge von den Behörden ganz verboten. „Scheiße, da kann ich ja gleich abdüsen, das macht keinen Spaß“, flucht Christian und packt seine Brille weg. Wenig später verschwindet er mit einigen anderen auf eine nahe Brachfläche, um ein eigenes Rennen zu fliegen.

Die Stimmung im Indoor-Bereich hingegen bleibt bis zum Abend gut. Organisator Wernecke hat Lust weiterzumachen. Mit ein paar anderen Teilnehmern verabredet er sich zum nächsten Organisationstreffen. Für die DroneMasters 2016 will er mehr als nur acht Wochen Vorbereitungszeit haben. Größer soll die Veranstaltung werden, und auch professioneller. Frank ist zuversichtlich. „Nächstes Jahr klappt es auch mit der Erlaubnis für Flüge mit ­Videobrille“, sagt er. Michael Metzger

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