ABGESANG

Bekannte Gefühle, gemischte Gesichter

Marthaler nimmt gelassen Abschied von der Volksbühne

ZITTY-Bewertung 6/6
ZITTY-Bewertung 6/6

Es kommt nicht von ungefähr, dass man an diesem Abend öfter an „Murx ihn!“ erinnert wird, die Kult-Inszenierung mit der Christoph Marthaler erstmals seine Handschrift in die Volksbühne einschrieb.

Dieser damals im zeitgenössischen Theater neue Ton aus Melancholie, Humor und Entschleunigung wird nun auch in der Abschiedsinszenierung angeschlagen, mit der Marthaler die letzte Volksbühne-Spielzeit unter Castorf eröffnet – und zwar mit deutlichen Bezügen an das Kult-Stück bis hin zu einer kurzen Referenz ans berühmte „Danke“-Lied.

Leise singen mit Jürg Kienberger (vorne) – Foto: Walter Mair
Leise singen mit Jürg Kienberger (vorne) – Foto: Walter Mair

Bekannte Gesichter daraus wie Jürg Kien­berger, Ueli Jäggi, Olivia Grigolli, Hildegard Alex und Magne Håvard Brekke sind auch hier dabei. War „Murx ihn!“ aber ein befreiender Abgesang auf den Warte­saal DDR, ist dieser Abend ein ironischer Kommentar zur Ambivalenz konservierter Kunst und Status-quo-Hysterie. Schmutzränder an den leeren Wänden zeugen von allzulang ausgestellten Bildern. Wie Museumsexplonate werden die vertrauten Protagonisten von einem Hausmeister (Marc Bod­nar) in den Saal gerollt.

Auch ohne dass Anna Viebrock ihren berühmten Bühnenbild-Satz aus „Murx ihn!“ zitieren muss („damit die Zeit nicht stehenbleibt“), tut  die Gelassenheit gut, mit der Marthaler die Aufgeregtheiten mancher Beobachter angesichts bevorstehender Leitungswechsel unterläuft. Danke. FRIEDHELM TEICKE

2. + 5.10., 19.30 Uhr, Volksbühne am Rosa- Luxemburg-Platz, Mitte. Regie: Christoph Marthaler; mit Olivia Grigolli, Irm Hermann, Ueli Jäggi, Jürg Kienberger, Sophie Rois. Eintritt 12-40, erm. 8-20 €