Berliner Kunsthäuser

Dichtende Denker

Freunde im Geiste: Die Akademie der Künste zeigt die eigenwillige Beziehung zwischen Walter Benjamin und Bertolt Brecht

Wer hätte ihn nicht gern gelesen, den Kriminalroman, den Walter Benjamin und Bertolt Brecht entwarfen, als sie sich im Herbst 1933 im Pariser Palace Hôtel trafen. Steffen Thiemann hat ihn jetzt in Holz geschnitzt, eine Graphic Novel in Schwarzweiß und die Einfälle Benjamins in Fußnoten. „Mord im Fahrstuhlschacht“ ist eine der Arbeiten von insgesamt neun Künstlern, die in der Ausstellung „Denken in Extremen“ den Dialog zweier nahezu unvereinbarer Charaktere beschreibt.

© Akademie der Künste, Berlin, Bertolt-Brecht-Archiv
Emil Hesse-Burri, Walter Benjamin, Bertolt Brecht, Bernard und Margot von Brentano am Strand von Le Lavandou, Juni 1931 Foto: unbekannt/ © Akademie der Künste, Berlin, Bertolt-Brecht-Archiv

Die Akademie der Künste, im Besitz der Archive beider Geistesgrößen, hat aus dem Vollen geschöpf. Während im ersten Teil der Schau Fotos und vor allem O-Töne, etwa von Hannah Arendt oder Asja Lacis, von dieser produktiven wie „asymmetrischen“ Freundschaft erzählen, geraten im zweiten Brecht und Benjamin wieder ins Gespräch. Die Kunstwerke greifen immer einen Aspekt des Dokumentierten auf: Adam Broombergs & Oliver Chanarins Schachautomat etwa rekonstruiert eine Partie zwischen Benjamin und Brecht nach einer Fotografie von 1934, bis zu jenem Moment, da die Aufnahme entstand. Nur ein vermeintliches Ende – das Spiel simuliert weitere mögliche Züge. Ein Prinzip, nach dem Brecht und Benjamin strebten: ins Äußerste zu denken, über die eigenen Pole hinaus. Das beschwert nicht, sondern fordert heraus, ist klug, unverschämt und witzig.

Bis 28.1.18: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Tiergarten, Di–So 11–19 Uhr, 9/ erm. 6 €

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