Berlin

Nur nicht abheben!

Machen wir uns nichts vor: Ein neuer Großflughafen BER, BBI oder wie auch immer wird nie kommen. Es geht nur noch um die Frage, was jetzt aus dieser Baustelle in Schönefeld wird. Ein vollkommen ernst gemeintes Szenario – und ein irgendwie immer noch aktueller Beitrag aus unserem Archiv

September 2012

Auf der Aufsichtsratsitzung wird Flughafen-Chef Rainer Schwarz entlassen. Bei seiner Erklärung übernimmt er die „volle politische Verantwortung“. Von seiner Abfindung kauft er sich ein paar Schrottimmobilien im Schönefelder Umland. Klaus Wowereit sagt, dass jetzt endlich der Weg frei für „das Vorzeigeprojekt Großflughafen“. Um ein Zeichen zu setzen, will Wowereit den Flughafen künftig „Matthias-Platzeck-Airport“ nennen. Brandenburgs Ministerpräsident weiß nicht, ob er sich darüber freuen soll.

Was machen die für Sachen? Flughafen Schönefeld außer Kontrolle

Februar 2013

27 Tage vor dem nächsten Termin platzt zum dritten Mal die Eröffnung. Wieder sind es Brandschutzvorschriften. Diesmal hatten sich tonnenweise leicht entflammbare Baumwolle und Polyester in den Luftschutzschächten verhangen. Der Stoff kommt von der Modemesse Bread-and-Butter, die Wowereit im Frühjahr in einer Nacht-und-Nebel-Aktion nach Schönefeld verlegt hat. Entnervt beschließt die Bundesregierung das Projekt Großflughafen endgültig zu beerdigen. In ihrer Begründung bringt die Union wieder den Flughafen Tempelhof ins Spiel.

Juni 2013

Die ersten illegalen Underground-Open-Airs auf dem Rollfeld beginnen. Die Pioniere sind zugedrogte Techno-Jünger, die vergeblich auf ihre Flüge nach Ibiza warten. Nach 48 Stunden erfahren sie, dass niemals ein Flugzeug von BER abheben wird. Nach einer Woche kommt der Berliner DJ Paul Kalkbrenner und spielt seinen Megahit: „We build a castle in the sky and in the sand.“ Als ein Red-Bull-Wagen vorfährt, rümpfen die ersten Technofans die Nase.

August 2013

Während immer mehr Touristen das neue Party-Areal entdecken, nutzen die Macher des Kunsthauses Tacheles die Gunst der Stunde und besetzen die Abfertigungsschalter. Die Touris kaufen begeistert alte Rollband-Teile, sitzen auf dem Dach und blicken verträumt auf das Flugfeld: „This is so East-Germany!“

Oktober 2013

Die erste Gurkenernte der Urban Gardener wird von einem Tross von Anzugträgern gestört. Die Initiative Schönefeld-Media will Büros an der Landebahn hochziehen. Schnell schließen sich Techno-Jünger, Urban Gardener und Partyveranstalter zur Initiative „Schönefeld-Media in die Luft schießen“ zusammen und fordern unbebaute Landebahnen. Sponsor ist Red Bull, der Slogan: „Wowereit braucht Flügel!“

Dezember 2013

Zur Weihnachtszeit herrscht großer Trubel. Das Occupy-Camp ist rappelvoll und dank Red Bull halten alle Demonstranten prima durch. Parallel organisiert der Getränkehersteller Sprünge aus dem Rosinenbomber. Nur die Tacheles-Macher murren, dass die Bierbikes auf dem Rollfeld die Atmosphäre kaputt machen würden.

Januar 2014

Die Investoren der „Schönefeld-Media“ sind abgezogen. Sie sind genervt von Wowereits Bread-and-butter-Models, die inzwischen über die alten Gepäckbänder stolzieren. Eine Gruppe von Immobilienmaklern schaut sich das Gelände an und will Townhouses hochziehen. Die Schönefelder fürchten eine Verdrängung und fordern, dass die Flugrouten aus Tegel und Schönefeld direkt über ihr Haus geleitet werden.

März 2014

Während der Flughafen Tempelhof wieder öffnet,  einigen sich die Immobilienmakler auf einen Kompromiss: Bauherr der Townhouses in Schönefeld wird eine Baugruppe der Urban Gardener. Um eine Wertsteigerung zu verhindern, werden die Flugrouten aus Tempelhof über die Häuser umgeleitet. Um ein Zeichen zu setzen, ziehen Klaus Wowereit und Matthias Platzeck in die Häuser ein. Wowereit tauft den „Matthias-Platzeck-Airport“ endgültig in „Klaus-Wowereit-Fun-Park“ um. Zur Eröffnung singt Jürgen Drews: „Ein Bett in Schönefeld, das ist immer frei.“

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