Biennale

Berlin in Venedig

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„Barca Nostra, 2018-2019, Schiffswrack vom 18. April 2015“,
Projekt initiiert von Christoph Büchel. © Jesko Sander

Kurze Erinnerung an eine Reise zur Biennale von Venedig 2019, an der erneut viele Künstler*innen aus Berlin teilnehmen – am prominentesten zu sehen im Deutschen Pavillon

Da kommt man wieder aus Venedig, übermüdet, mit staubigen Stiefeln und mit acht Mückenstichen im Gesicht, und die Kollegen und die Freundinnen fragen, ob sie sich lohne, die Biennale dieses Jahr, die Fahrt, das Geld für die Unterkunft und überhaupt. Aber es lohnt doch immer. Egal, wieviel schreckliche Kunst jedesmal dabei ist, egal, ob vor dem Zimmer mit Aussicht hochhausgroße Kreuzfahrtschiffe die Lagunenstadt zum Wanken bringen. Oder unter der Dusche ein Skorpion hockt.  Aber der Reihe nach.

Das Ganze

Am Sonnabend, den 11. Mai, also hat in Venedig die 58. Biennale von Venedig eröffnet, die älteste Biennale der Welt. Kurator Ralph Rugoff (Foto) aus den USA, Direktor der Hayward Gallery in London, hat über 80 internationale Künstler und Künstlerinnen eingeladen,  Arbeiten jeweils im alten Arsenal der Lagunenstadt und im Zentralpavillon auf dem Hauptgelände der Ausstellung, den Giardini, zu zeigen. Zudem haben 90 Staaten Künstler*innen nach Venedig entsandt, die in den Länderpavillons des Ausstellungsgeländes und über die Stadt verteilt ausstellen. Hinzu kommen zahlreiche Zusatzveranstaltungen, etwa von Stiftungen und Sammler*innen, teils frei, teils an das offizielle Programm angeschlossen.

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Biennale-Kurator Ralph Rugoff (links) im Garten des Arsenal mit dem Künstler Halil Altindere, dessen Arbeit „Köfte Airlines“ in Berlin im Hau-Theater hängt © cwa

Die Auszeichnungen

Zu Beginn jeder Biennale vergibt eine Jury unter anderem den Preis für den besten Pavillon. Vorsitzende der Jury ist 2019 Stephanie Rosenthal, Direktorin des Gropius-Bau in Berlin und zuletzt an der Londoner Hayward Gallery tätig, deren Direktor Biennale-Kurator ja Ralph Rugoff ist.

            Nachtigallen haben wir in Venedig zwar trapsen, aber nicht schlagen hören.

Den Goldenen Löwen für den besten Pavillon hat Litauen mit dem Team von Rugile Bardzukeite, Vaiva Grainyte und Lina Lapelyte erhalten: für die Gestaltung eines Saals im ehemaligen Militärgelände des Arsenals und die Aufführung der Oper „Sun & Sea (Marina)“.

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Publikumsbereich im Litauischen Pavillon ©cwa
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Rugile Bardziukaite, Vaiva Grainyte, Lina Lapelyte: „Sun & Sea (Marina)“,
Oper-Aufführung im Pavillon von Litauen 2019 ©cwa
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Rugile Bardziukaite, Vaiva Grainyte, Lina Lapelyte: „Sun & Sea (Marina)“,
Oper-Aufführung im Pavillon von Litauen 2019 ©cwa

Der Goldene Löwe für den besten Künstler ist an Arthur Jafa gegangen für sein Video „The White Album“ (2019) über das Verhältnis von Schwarzen und Weißen in den digitalen Medien. Haris Epaminonda aus Berlin hat den zweiten Preis für eine Einzelposition erhalten. Wie Epaminonda große Installationen bewältigt, lässt sich derzeit auch – na? – im Berliner Gropiusbau sehen in der Ausstellung „And Berlin Will Always Need You“.

Mit dem Preis für ein Lebenswerk ist Jimmie Durham geehrt worden: Der Künstler aus den USA lebt in Berlin.

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Jimmie Durham: Musk Ox 2017. © Jesko Sander

            Dass den Goldenen Löwen nicht etwa Laure Prouvost im Pavillon von Frankreich erhalten würde, vor dem sich während der Eröffnungstage eine 200 Meter lange Schlange Einlass begehrender gebildet hatte, das war klar. Nachdem 2017  Deutschland mit Anne Imhof ein reiches Land gewonnen hatte, das sich seinen Pavillon etwas kosten lassen kann, musste dieses Mal ein kleines Land das Rennen machen.

Weitere Teilnehmende aus Berlin sind in den Länderpavillons unter anderem Natascha Süder Happelmann (Natascha Sadr Haghighian) im Deutschen Pavillon (s. Foto unten)
Carsten Nicolai als Gastkomponist im Pavillon der Mongolei
Leonor Antunes mit im Pavillon von Portugal mit vertikalen, abstrakten Skulpturen aus Alltagsmaterial
Dan Milhaltianu mit seinem Wünsche-Pool im Pavillon von Rumänien (Foto)
Pauline Boudry und Renate Lorenz mit einem Video über Tanz im Pavillon der Schweiz (Foto)

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Schweizer Pavillon: Eingangsbereich zur Videoinstallation, gestaltet von Pauline Boudry und Renate Lorenz © Jesko Sander
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Rumänischer Pavillon mit Pool von Dan Mihaltianu (vorn) aus Berlin © Jesko Sander

Weitere Teilnehmenden aus Berlin sind in der Hauptausstellung unter anderem:

Ed Atkins, Nairy Baghramian (s. Foto unten) , Alexandra Bircken
Jesse Darling, Cyprien Gaillard, Jeppe Hein
Maria Loboda, Tomás Saraceno, Slavs and Tatars (Foto), Hito Steyerl

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Slavs and Tatars: „Dillio Plaza“, Rauminstallation mit Sauerkrautsaft © Jesko Sander
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Slavs and Tatars: „Dillio Plaza“, Rauminstallation mit Sauerkrautsaft © Jesko Sander


Die Hauptausstellung

Ralph Rugoff hat eine ordentliche Hauptausstellung organisiert. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Pluralistisch und offen zeigt sie sich, alles ist erlaubt: in Material, Farbe und Form von Malerei bis Computeranimation, von allen Kontinenten (außer der Antarktis, wenn wir das richtig beobachtet haben), von Frauen, Männern, Transpersonen. Die Beschränkung auf rund 80 Künstler und Künstlerinnen tut vor allem dem Publikum gut, dass mit Beiträgen der Teilnehmenden in beiden Ausstellungsteilen ein breites Spektrum des jeweiligen künstlerischen Schaffens findet. Und von der Kinoreklame kennt man das ja: Zweimal sehen sorgt für eine bessere Erinnerung.

Außerdem hat Rugoff offensichtlich Spaß an Entsprechungen und Parallelen – Themen, Formen oder Material tauchen bei verschiedenen Künstler*innen auf, unterschiedlich gestaltet natürlich und in anderem Zusammenhang. Zum Beispiel Reifen, die so groß sind als gehörten sie an Traktoren_ bei Arthur Jafa und Yin Xiuzhen. Oder Tiergestalten aus Decken und Stoffen: wie bei Jimmie Durham und Lee Bul. Es gibt also von allem etwas und das oft in großen Formaten. Ein bisschen wie auf der Baseler Messeabteilung „Unlimited“, wie ein Schweizer Kollege treffend bemerkte. Tatsächlich sind viele Arbeiten von Galerien unterstützt und eignen sich für den Handel, wirklich ortsbezogene Projekte oder Kooperationen, die nicht in ein Objekt münden, sind kaum zu finden, ebenso Arbeiten, an denen die Besucher*innen mitwirken können.

Eine der schönsten Mitmach-Projekte fand 2015 statt, auf Initiative des Künstlers Hermann de Vries : Da fuhr man im Boot auf die verlassene Lazarett-Insel Lazzaretto Nuovo, auf denen ein lokaler Archäologe dem Publikum Flora, Fauna und Geschichte erklärte.

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Nairy Baghramian: „Dwindlers“ im Gang entlang des Arsenale © Jesko Sander

Ansonsten ist die Ausstellung mit dem Titel „May You Live in Interesting Times“ so freundlich und unkompliziert, wie Ralph Rugoff in seinen öffentlichen Auftritten wirkt: Sie eckt nicht an. Es gibt keine These und kaum Kontur. Darin unterscheidet sie sich von dem textil- und kräuterfreudigen Neo-Feminismus, den Christine Marcel der Biennale 2017 angedeihen ließ. Und auch von der Suche nach einer gerecht globalisierten Welt via Neulektüre von Marx‘, wie sie Kurator Okwui Enwezor 2015 veranließ.  Eine Haltung hat Rugoffs Ausstellung dennoch: pluralistisch, demokratisch und divers soll die Welt sein: Frauen und Männer und alle anderen, Nord und Süd und West (Ost irgendwie nicht so) treffen sich und bauen an einer Planeten ohne Hass, Unterdrückung und Umweltzerstörung.

Dabei sind viele Arbeiten tatsächlich politisch wie Arthur Jafas preisgekröntes Video über Rassenhass im Netz. Und Christoph Büchels Beitrag. Der Schweizer Künstler hat am Kai der Arsenale, direkt vor das Café, das Wrack jenes Fluchtschiffs platziert, das 2015 vor Sizilien havarierte (Foto) . Seitdem gelten zwischen 700 und über 1000 Menschen als verschollen. Den Cafébesucher*innen zugewandt ist jene Öffnung, die geschnitten werden musste, um Leichen aus dem Frachtraum zu bergen. Büchel versteht seinen Beitrag nicht als Kunst. Das Schiff ist ein Mahnmal – und am Tag der Eröffnung in den Nachrichtensendungen zum Sinnbild dieser Biennale avanciert.

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„Barca Nostra, 2018-2019, Schiffswrack vom 18. April 2015“, Detail. Projekt initiiert von Christoph Büchel. © Jesko Sander

Besuch bei der Welt

Obwohl in Fachkreisen wiederholt für ihr Konzept mit den nationalen Pavillons kritisiert, bleibt die Biennale von Venedig bleibt gerade mit diesen Pavillons ein hervorragender Ort, um Kunst und Künstler*innen aus vielen Ländern kennenzulernen. Und um eine Ahnung von den jeweiligen politischen Stimmungen zu erhalten: Was ist erwünscht oder erlaubt? Wer kooperiert mit wem? Welchen Eindruck vom Land soll Kunst vermitteln? Zum Beispiel, dass China bei der  Künstlicher Intelligenz Weltmarktführer sein will? Dass es in Finnland und Kanada superdemokratisch zugeht, weil bei Finnland ein internationales Team Kunst und kulturelles Erbe von Sam*innen würdigt? Oder weil sich bei Kanada mit Isuma TV erstmals Künstler*innen der Inuit präsentieren? Beim internationalen Fachpublikum rief letzteres wohl eher Erleichterung denn Überraschung hervor, hatte doch der Kurator Okwui Enwezor dem Filmkollektiv bereits 2002 auf der 11. Documenta in Kassel einen prominenten Platz eingeräumt.

Ja, und der Pavillon von Venezuela blieb 2019 einfach geschlossen.

In Memoriam

Erinnerungen an den im März gestorbenen Kurator Okwui Enwezor, der die Venedig-Biennale 2015 leitete, sind in diesem Jahr allgegenwärtig. Nicht nur im kanadischen Pavillon, nicht nur, weil er anders als Ralph Rugoff ein ihn drängendes Anliegen hatte. Sondern auch in dem Pavillon mit teils exzellenten Arbeiten, mit dem Ghana in diesem Jahr in Venedig debütiert. Enwezor war für diesen Pavillon noch als „strategischer Berater“ tätig. Ihm hat John Akomfrah seinen Drei-Kanal-Film über das Zusammenspiel Wirtschaft und Klimakrise, Ökologie und Flucht, über Kolonialismus und Unabhängigkeit gewidmet.

Schlechtes Klima

Der internationale Kunstbetrieb, wie er sich in Venedig präsentiert, ist keine Avantgarde. Über 30 Jahre nach Gründung des Weltklimarats ist die Klimakreise endlich auch in der Kunst  an der Lagune angekommen – ob bei Tomás Saraceno mit seinen Wolken am Arsenale (Foto), als Leitthema des Skandinavischen Pavillons oder eben mit John Akomfrahs präziser,  postkonlonialer Adaption der Ästhetik von BBC-Naturfilmen. So schlägt das ehemalige Empire sich selbst.

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Tomás Saraceno: „Aero (s) cene: When breath becomes air, when athmosphere become the movement for a post fossile fuel era against carbon-capitalist clouds“, 2019 © Jesko Sander
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Vortrag des Anthropologen David Zeitlyn bei Tomás Saraceno: Detail aus „Spider/Web Pavillon 7: Oracle Readings, Weavings, Arachnomancy, Snanthropic Fututres: At–ten(t)sions to invertebrate rights!“, 2019© Jesko Sander

Doch die meisten Menschen, die zur Biennale kommen, fliegen. Sogar wohlhabende Sammler sind in Tegel am Gate für den Billigflieger nach Venedig gesehen worden.  

Seinen Abfall trennt das Publikum zwar nach Plastik, Papier und Rest. Doch dann kommt der Mann vom Mülldienst und kippt alles lustig wieder zusammen.

Zudem gibt es viele fragwürdige Beiträge zum Thema Umwelt: etwa die Schaukästen mit ausgeblichenen Korallenriffs, pure Handarbeit, gehäkelt aus tausenden wunderbaren Garnsorten von Christine und Margaret Wertheim aus Australien und ihren Mitsteiterinnen. Das „Bleached Reef“ (2005-2016) lässt sich als fröhliches Trauerstück oder als Meditation über die Folgen des Erderwärmung lesen. Toll anzusehen. Doch wie viele Arbeitsstunden stecken darin? In dieser Zeit hätte sich wohl eine  schlagkräftige Umweltorganisationgründen lassen, durchaus als Kunstprojekt. Aber partizipative Kunst wird auf dieser Biennale klein geschrieben.

Ja, mehr noch: Besuchende dienen als Verfügungsmasse.  Sie müssen sich bücken, müssen krabbeln, sie sehen einen Film nur vollständig, wenn sie sich wie vom Künstler gewünscht auf ein Trimm-Dich-Gerät setzen. Pauline Boudry und Renate Lorenz aus Berlin sprachen bei ihrer Pressekonferenz im Schweizer Pavillon sogar davon, das Publikum „zu choreografieren“. Na, danke schön. 

Das geht mit der preisgekrönten Arbeit aus Litauen nicht: „Sun & Sea (Marina)“, während der Eröffnungstage live vorgetragen von professionell ausgebildeten Sänger*innen auf Badematten und in Liegestühlen, ist modernisierte Minimal Musik in bester revolutionärer Gesangstradition des antikommunistischen Baltikums. Vor allem aber: ein Requiem für einen entzündeten Planeten, eine Oper über Trauer um und Scham über das Anthropozän. Es darf sogar geweint werden: Das Publikum blickt von oben auf das Geschehen herab (Foto). Und steht im Dunkeln. Wo es nicht cool ausschauen, sondern heimliche Tränen verdrücken darf. Ein Effekt, den man aus Theater und Kino kennt.

Echte Menschen

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Rugile Bardziukaite, Vaiva Grainyte, Lina Lapelyte: „Sun & Sea“, Oper-Aufführung im Pavillon von Litauen 2019 ©cwa

Die emotionale Wirkung des litauischen Pavillons wird von den vielen Arbeiten zu künstlicher Intelligenz und digitalen Nachrichtendiensten auf dieser Biennale befeuert. Wenn zwischen all den Avataren, Hassbotschaften, wackeligen Handyfotos plötzlich echte Menschen singen, rührt das an, rührt das. Und wir dürfen uns rühren lassen. Das darf getrost von Literatur, Theater und Film auf die Kunst abfärben.

Wie gut das gehen kann, ohne kitschig zu werden, Nujoom Alghanems  Doppelprojektion „Passage“ (2019) im Pavillon der Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf zwei Leinwänden verkörpert die Künstlerin, wie sich zeitgenössische arabische Lyrik eher dokumentarisch und eher fiktiv in bewegte Bilder  von einer bewegenden Frau verwandeln lassen. Wie die litauische Oper im Sand zeugt Alghanems Arbeit von der Kraft, die Sprache und Literatur aus dem  inflationären Gebrauch von Bildern gewinnen.

Überhaupt sehr bleibt auf dieser Biennale: Drohnen-Bilder. Wird man 2021 schon nicht mehr sehen wollen.

Kleine Länder

Überhaupt: Die Wege zu Pavillons, die nicht zu den Hauptattraktionen gehören, lohnen wie immer. Schottland zeigt Charlotte Prodgers Erkundung einer Naturlandschaft in Botswana aus der Luft und lässt ihre gesprochene Selbsterkundung hören. Wales thematisiert mit der mehrräumigen Installation von Sean Edwards die britische Klassengesellschaft. Auch hier ist es die menschliche Stimme, die alles zum Leben erweckt: Edwards Mutter berichtet täglich, 14 Uhr, mittels Radioübertragung von ihrem Alltag als Putzfrau und Familienmutter. Indonesien bietet ein zeitintensives Schicksalsspiel, an dessen Ende man eigentlich eine Kretek-Zigarette rauchen dürfen soll. Doch Rauchen ist aus Brandschutzgründen verboten.

      Nichts Schöneres als mit einer Zigarette und einem Espresso an einem der Kanäle zu hocken. Niemand muss in Venedig für einen Espresso Touristenpreise bezahlen. Am Zattere gibt´s die Tasse für 1,10 Euro.

Deutscher Pavillon

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Eröffnung Deutscher Pavillon: Außenminister Heiko Maas auf dem Weg zum Mikrofon
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Ihr ist zu gratulieren: Natascha Sadr Haghighian alias Natascha Süder Happelmann hat im Pavillon der Bundesrepublik einen herausragenden Beitrag inszeniert. Ihr „Ankersentrum“  (sic!) formt mit Gittern, Gattern, Lautsprechern, Staudamm und Steinen nicht nur eine gebaute Kritik an den „Anker-“, sprich Abschiebezentren in Deutschlan. Vielmehr stellt sie auch Performancebühne, Saal für Klangkunst sowie Knotenpunkt für internationale Musiker*innen und Stadtexpert*innen bereit. Das ist transdisziplinäre Teamwork par excellence.

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Deutscher Pavillon: Auftritt von Natascha Süder Happelmann (rechts) mit ihrer Sprecherin Helene Duldung am 10. Mai 2019 © Jesko Sander

Damit widerspricht die Berliner Künstlerin aus der Perspektive von Menschen „mit Migrationserfahrung“ der preisgekrönten Bühne 2017 im selben Pavillon, auf der Anne Imhof aus Frankfurt/Main Mimimi-Befindlichkeiten einer verängstigen Mittelschicht in Szene setzte. Und mit dem langen Prozess, der zu ihrer Installation führte, konterkariert Süder Happelmann dem Fokus auf Kunst in verkäuflicher Objektform, wie ihn Chefkurator Ralph Rugoff mit seiner Hauptausstellung im Zentralpavillon und im Asenal gewählt hat. Herzlichen Glückwunsch also.

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Deutscher Pavillon: Klanginstallation von Natascha Süder Happelmann, Musiker*innen und Komponist*innen © Jesko Sander

„Immersion“

Die Pavillons von Litauen und Deutschland machen es vor: Wo die künstlerischen Disziplinen ineinandergreifen, wird Kunst wieder spannend. Wenn wie bei „Sea & Sun (Marine)“ sogar Gefühle dazu kommen dürfen, ist ein Hauch von Transzendenz möglich.

Anfahrt

Selbstverständlich lässt sich nach Venedig fliegen. Eine Berechnung des CO2-Ausstoßes für Hin- und Rückflug ixt mit einem der Klimarechner im Netz oder bei Atmosfair möglich. Die Rechner vergleichen die Tonnen CO2 mit dem empfohlenen Jahresverbrauch eines Menschen in Mitteleuropa, aber auch mit dem jährlichen Prokopf-Ausstoß in anderen Weltregionen, etwa in Indien. Das Ergebnis ist nicht lustig.

Doch seit es für die Zugstrecke Berlin – München – Verona – Venedig auch wieder Sparangebote und Nachtzüge gibt, muss niemand mehr fliegen. Der individuelle Gewinn: rund 13 Stunden Ruhe zum Lesen, Schlafen. Und im Speisewagen der österreichischen Bahn:  hervorragender Kaffee mit Blick auf die Alpen.

Wir empfehlen außerdem: Mückenmittel, Regenjacke, bequemes Schuhwerk, Proviantdose, Pflaster, kurz: alles, was sich auch auf einer Wanderung gebrauchen ließe. Und eine unerschrockene Reisebegleitung, die einen kleinen Skorpion unter einem Wasserglas fangen kann und zum Fenster hinauswirft.

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Auf dem Weg von oder zum Ausstellungsgelände © cwa

Zur 57. Biennale von Venedig 2017