Kino

Berlin Excelsior

„Menschen im Hotel“ heißt ein berühmter Berlin-Roman, der 1929 erschien und erfolgreich verfilmt wurde. Vorbild für das Sittengemälde soll das Hotel Excelsior gewesen sein, das bis nach dem Zweiten Weltkrieg am Anhalter Bahnhof stand. Dann wurde es abgerissen und bald von einem damals vermutlich sehr modern wirkenden Stahlkonstrukt ersetzt, dass den Namen Excelsiorhaus trägt.

Berlin Excelsior
Foto: Pandora Filmverleih

So mondän wie geplant wurde der Bau zwar nicht, doch er steht bis heute, bis zur Einheit in undankbarer Mauernähe, inzwischen unweit des Herzens des neuen Berlins. Das mag zur Beliebtheit des ganz weltläufig „Solar“ genannten Restaurants mit Panorama-Blick beigetragen haben, die kleinen Appartements im Haus wirken dagegen nicht wie eine Berliner Version des Chelsea-Hotels oder vergleichbarer Adressen.

Fast nur Singles scheinen hier zu leben, zumindest tauchen nur solche im Dokumentarfilm von Erik Lemke auf, der selbst im Excelsiorhaus wohnt und etliche seiner Nachbarn vor die Kamera geholt hat. Viele Künstler und Selbstdarsteller sind dabei, Menschen mit Plänen, die wohl nicht mehr in Erfüllung gehen werden, mit Träumen, die längst abgestanden scheinen. Michael etwa, ein alternder Escort-Boy, der sich seine Grinder-Dates nach Hause einlädt, der deutlich jüngere Norman, der ein Berufsberatungs-Startup gründen will, oder die im Restaurant arbeitende Claudia, die einst in Revuen tanzte und immer noch auf eine Karriere als Schauspielerin hofft. Ein wenig tragisch wirken fast all jene, die Lemke in seinem Film auftreten lässt, doch er wertet nicht, sondern zeigt nur. Ohne Interviews, Kommentare oder Einblendungen kommt sein Film aus, der einen typisch Berliner Mikrokosmos abbildet.

D 2017, 85 Min., R: Erik Lemke, D: Namen, Start: 29.11.

Infos und Termine

https://www.zitty.de/event/kino/berlin-excelsior/