Handwerk

And Berlin Will Always Need You

Die neue Ausstellung im Martin-Gropius-Bau soll die Verbindung zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Handwerk in Berlin zeigen, aber so glatt wie hier dargestellt geht in der Stadt niemals zu

© Tisha Matting/ Haris Epaminonda

Spiegelung in „VOL XXV“, Installation von Haris Epaminonda, Martin-Gropius-Bau 2019
© Tisha Matting/ Haris Epaminonda

Welch ein Luxus. Im Martin-Gropius-Bau stellen 17 Künstler*innen aus Berlin zu „Kunst, Handwerk und Konzept“ aus, und fast jeder und jede hat einen Saal für sich. Um exemplarische Arbeiten zu zeigen wie Nevin Aladağ, die abstrakte Bilder aus Teppichstücken aufgehängt hat, oder um ein Update zu präsentieren wie Haegue Yang, die vor einer digital collagierten Wandtapete und zu Vogelzwitscher handge­knüpfte Wesen aus künstlichem Stroh aufgestellt hat. Und dann diese Fluchten mit Leonor Antunes, Mariechen Danz und Theo Eshetu: Die Schau ist ein superprofessionelles Berlin-Medley der jüngsten Documenta und Venedig-Biennalen.

© Tisha Matting/ Haegue Yang
Detail aus der Installation „Chronotopic Traverses“ von Haegue Yang in der Ausstellung
„And Berlin Will Always Need You“, Martin-Gropius-Bau 2019 © Tisha Matting/ Haegue Yang


Genau das ist die Krux: Die Kuratorinnen Natasha Ginwala und Julienne Lorz bieten nur das Feinste vom Feinen. Vom Schmutz, den Brüchen und Kämpfen der Stadt und des Handwerks ist, außer beim Thema Kolonialismus, wenig zu erkennen, ebenso, obwohl versprochen, von der Geschichte des Gropius-Baus als Kunstgewerbemuseum. Sogar Olaf Holzapfels Strohbilder verlieren hier den Charme nerdiger Materialforschung, der auf der Documenta 2017 bestach. Es bleiben seine retro­modernen Häkelbilder, die er, so viel zum Thema Handwerk, in Südamerika fertigen lässt. Die globalen Verhältnisse lassen grüßen. Fast dankbar muss man sein für die unfreiwillige Ehrlichkeit dieser braven Leistungsschau.


Bis 16.6.: Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr, 15/ 10 €, bis 16 J. frei

Do 16.5. , 19 Uhr: Diskussion mit Theo Eshetu, Felicity Bodenstein, Antje Majewski, Margareta von Oswald & George Shire

Mit 29.5., 19 Uhr: Diskussion mit Alice Creischer, Rike Frank, Natasha Ginwala, Olaf Holzapfel, Willem de Rooij, Andreas Siekmann