Zwischen Biergärten und Babelsberg

Berliner Fahrradaktivisten empfehlen schöne Touren

Berliner Fahrradaktivisten empfehlen schöne Touren. Für Fortgeschrittene. Aber auch für Radanfänger

Von der Pampa  zum Caribic Beach

Text: Heinrich Strößenreuther

Direkt gegenüber meines Büros im Spreefeld liegt die Strandbar Pampa im neuen Holzmarkt. Wenn die Nachmittagssonne knallt, würde ich am liebsten den Mac zuklappen und einfach rüberschwimmen. So aber radle ich schnell los und gönne mir den ersten Sundowner, also einen Abendtrunk. Wieder auf dem Rad nach Nordost auf der Holzmarktstraße, links in die Michaelkirchstraße über die Brücke, passiert man eines der coolsten Selfie-Motive mit Fluss und Fernsehturm im Hintergrund. Auf der anderen Seite rechts geht es ab auf die Köpenicker Straße, weiter am Tresor und Kitkatclub vorbei, geradeaus in die Inselstraße bis zum Wasser vor. Einmal rechts ab und raus aufs Deckshaus-Restaurantschiff, wo man sich eine leckere Portion Bratkartoffeln hinter die Kiemen schieben kann.

Am Museumshafen geht es dann am Wasser entlang. Auf der Fischerinsel-Straße und -Brücke wird das Ufer gewechselt, weiter fährt man am „Radschleichweg“ Friedrichsgracht nach Norden. Beim Millionengrab Stadtschloss über die Brücke und dann wieder auf die andere Seite, bis es hinter dem Bode-Museum rechts über die Brücke zur Strandbar Mitte geht: Hier gibt es wahlweise Liegestühle in Deutschlands erstem Beachclub, Open-Air-Tanz zu Tango und Salsa oder eine der leckeren Pizzen in der Kantine. Wer es gesitteter am Tisch mag, kann auch links hinter der Brücke dem neuen Superfood-Restaurant The Avocado einen Besuch abstatten. Selbst an kühleren Tagen ist es ein herrlicher Platz.

Anschließend geht es kurz die Monbijou-Straße weiter, dann links in die Ziegelstraße rein, bis zur Friedrichstraße und rüber. Dann links halten. Kurz vor der Spree wieder rechts in den Schiffbauerdamm abbiegen. Vorbei an bekannten Lokalen wie Berliner Republik, StäV und der nicht so leicht zu findenden Soul- und Jazz-Bar Tausend bis zum Zimt & Zucker mit seinen Waffeln oder Torten, einem weiteren kulinarischen Trüffel an der Spree.

Wie auch immer gestärkt geht es weiter, vor dem Bundestag-Neubau wieder links über die Marshallbrücke auf die andere Spreeseite, am Reichstag vorbei, über die Paul-Löbe-Allee geradeaus weiter, Merkels Bunker rechts liegen lassend, direkt auf die Schwangere Auster zu. Der Biergarten direkt am Haus der Kulturen der Welt ist absolut lärmfrei, wenig frequentiert und besticht vor allem bei untergehender Sonne. Nur leider passieren hier ab und an stinkende Spreeschiffe, die mit Diesel-Ruß und Abgasen quälen.
Weiter geht’s an der Spree bis zum Schloss Bellevue, kurz links abbiegen zur Siegessäule, dann nach Westen die Straße des 17. Junis lang, bis es kurz nach dem Charlottenburger Tor am Landwehrkanal nach Nordosten geht. Hier machen wir – Mitte Mai wird’s eröffnet – einen Stopp beim neuen Caribic Beach, einem in liebevoller Kleinarbeit renovierten, bis dahin brachliegendem Was-weiß-ich-Komplex, in dem dann hoffentlich ein anständiger Mai-Tai serviert wird.

  1. www.holzmarkt.com
  2. deckshaus.de
  3. www.monbijou-theater.de
  4. heavocadoberlin.com
  5. zimtundzucker.com
  6. www.hkw.de
  7. www.caribic-beach.de
  8. www.caprivi-berlin.com
Heinrich Strößenreuther
Foto: Volksentscheid Fahrrad/Norbert Michalke

Heinrich Strößenreuther, 50, ist angeblich Deutschlands nervigster Radfahrer (laut „Welt am Sonntag“) – als Wegbereiter des Fahrrad-Volksentscheids. Einige Orte seiner Tour seien bei Sonnenuntergang sehr ­romantisch, sagt er: „Fahrt da bitte bloß nicht hin!“


Vom Schloss zur Freundschaftsinsel

Text: Lennart Meyer

Unsere Tour startet am Schloss Charlottenburg. Bevor es los geht, erst einmal die Bänke im Park belegen: In Ruhe kann man hier die Route und Rastplätze auf dem Weg bequatschen, so dass jeder die Strecke kennt. Nun geht es zuerst den Spandauer Damm entlang über die Ringbahn. Um nicht direkt an der großen Straße zu fahren, empfehle ich, eine der parallel verlaufenden Straßen zu nutzen, die weniger befahren sind. Obwohl gar nicht so weit vom Großstadtverkehr entfernt, können wir hier die Vögel zwitschern hören. Nun geht es auf das Olympiastadion zu, kurz zuvor biegen wir vor dem Friedhof Heerstraße in einen Weg ab, der uns zum Georg-Kolbe-Hain und über die Heerstraße führt. Durch ein grünes Tor geht es direkt in den Wald. Nach einer guten halben Stunde sind wir raus aus der großen Stadt und mitten in der Natur. Die Wege hier sind an einigen Stellen etwas sandig, weshalb sich die Tour weniger für Rennräder anbietet. Vor uns liegt der Teufelsberg. Hier lohnt es sich, den steileren Anstieg zu versuchen. Die Aussicht oben an der ehemaligen Abhörstation der USA ist äußerst beeindruckend und lädt zu einer ersten Pause ein. Der Eintritt in die Anlage kostet allerdings 8 Euro, geöffnet ist täglich von 10 bis 20 Uhr.

Anschließend geht es auf Waldwegen weiter bis zu einer befestigten Forststraße. Dieser folgen wir nach Westen, bis wir wieder auf eine asphaltierte Straße stoßen. Von hier aus radelt es sich ganz entspannt runter an die Havel. Der anschließende Teil ist übrigens eine beliebte Strecke bei ambitionierten Hobby-Radfahrer*innen. Am Wasser angekommen, stellt sich nun für uns die Frage, ob wir lieber an der Straße fahren wollen oder den Weg direkt am Wasser wählen, der ohne große Anstiege stimmungsvoll zu fahren ist. Mit etwas Glück lassen sich hier auch Kormorane beobachten. Nach ungefähr einem Kilometer kommt allerdings eine Treppe: Die Fahrräder müssen hier ein Stück getragen werden. Kurz darauf geht es wieder runter ans Wasser. Auf der Havel schippern Ausflugsboote und kleine Segelschiffe und auf dem Weg laden kleine Sandstrände zum Baden ein.

Es wird Zeit für eine Mittagspause. Links führt ein Weg die Hügel hoch, zurück Richtung Straße und zum Grunewaldturm. Der Biergarten lädt mit einer schönen Aussicht über die Havel zu einer Rast ein. Die Preise liegen allerdings eher im gehobenen Bereich. Alternativ findet man auf der anderen Straßenseite noch das Waldhaus. Nach einer Stärkung geht’s wieder rauf aufs Rad und genussvoll die lange Abfahrt auf der Straße zurück an die Havel.

Nach ein paar Minuten führt uns dann an einem Parkplatz ein Weg wieder ans Wasser. Auf dieser Strecke kommt man bis zum Strandbad Wannsee, die nächste Option für eine (Bade-)Pause. Auf dem Badeweg geht es weiter zum Kronprinzessinnenweg und zurück in den Stadtverkehr. Am S-Bahnhof vorbei umrunden wir nun fast vollständig den Großen Wannsee. In der Straße am Großen Wannsee kann man viele große Villen bestaunen, unter anderem die Max-Liebermann-Villa und das Haus der Wannsee-Konferenz, die beide zu einer Besichtigung einladen.

Weiter geht es durch den Düppeler Forst, immer am Wasser entlang. Unterwegs kommen wir an der Pfaueninsel vorbei. Hier kann man übersetzen oder auch eine weitere Pause im Restaurant Pfaueninsel einlegen. Auf dem Weg passieren wir noch Schloss Glienicke und die Glienicker Brücke. Dann geht es über eine kleine Brücke in den Schlosspark Babelsberg. Die Wiesen laden hier zum Verweilen ein, außerdem hat man einen schönen Panoramablick auf die Innenstadt Potsdams. Durch den Park geht es in Richtung Innenstadt, vorbei am Hauptbahnhof Potsdam, bis schließlich zur Freundschaftsinsel in Potsdam. Ziel erreicht!

  1. Schloss Charlottenburg
  2. Teufelsberg
  3. Grunewaldturm
  4. Waldhaus
  5. Strandbad Wannsee
  6. Max-Liebermann-Villa
  7. Haus der Wannsee-Konferenz
  8. Pfaueninsel
  9. Schloss Glienicke
  10. Glienicker Brücke
  11. Schlosspark Babelsberg
  12. Freundschaftsinsel
Foto: Lennart Meyer

Lennart Meyer ist Mitglied der  FahrradBande, das ist der Mobilitäts­arbeitskreis der BUNDjugend Berlin. Durch Aktionen und Mitradelgelegenheiten mit RADgelegenheiten will die FahrradBande Druck auf die Straße und neue Denk­ansätze in Fragen der Mobilität des 21. Jahrhunderts bringen.


Vom Treptower Park zum Schloss Köpenick

Text: Annette Krüger

An einem schönen Sonntag starten wir für viele gut erreichbar an der Ringbahn Treptower Park. Auf autofreiem Weg wird mit Blick auf Bötchen, Kähne und Flöße die Spree in Richtung Rummelsburger Bucht überquert. Immer am Wasser auf dem Caroline-Tübbecke-Ufer entlang ist die Aussicht ein purer Genuss und motiviert zur Weiterfahrt. Es geht sogar an einem kleinen Biotop vorbei, wo viele Schilder darüber informieren, was da kreucht und wächst beziehungsweise welche Geschichten sich hinter den schönen Backsteinmauern verbergen. Irgendwie ­unerwartet, so mitten in der Stadt.

Auf dem Uferweg sowie dem Paul-und-Paula-Ufer wird die Rummelsburger Bucht bis zur Hafenküche umrundet. Hier kann man entweder eine erste Rast einlegen oder gleich weiter zur Köpenicker Chaussee radeln, an der es etwa zwei Kilometer auf einem breiten Radweg vorbei am fast schon romantischen Alten Kraftwerk Rummelsburg geht.
Alsbald durchqueren wir die idyllische Gartensiedlung Wilhelmsstadt, durchfahren anschließend charmante, ruhige Seitenstraßen, die uns in die Wuhlheide führen. Es ist ein weitläufiges, autofreies, waldähnliches Areal, auf dem sich immer wieder neue Wege – die meisten asphaltiert – entdecken lassen. Die vielen am Wegesrand vorhandenen Bänke laden zu einem kleinen Picknick ein. Während die mitgebrachten Stullen hungrig verzehrt werden, kann man mehr oder weniger geübten Skatern beim Slalomlaufen zuschauen: Aller Anfang ist schwer. In jeder Disziplin.Sollten Kinder bei der Fahrradtour dabei sein, darf die Pause in der Wuhlheide gerne länger werden. Schließlich gibt es hier unter anderem Spielplätze, ­einen ­Miniatur Modellpark, weitläufige Picknick­wiesen oder das Sommerbad Wuhlheide.

Weiter geht’s am FEZ Berlin entlang, dem legendären Freizeit- und Erholungszentrum, in Richtung ­Köpenick. An der umwaldeten Strecke etwa parallel zur S-Bahn müssen wir eine der wenigen Steigungen auf der sonst sehr flachen Tour nehmen. Als Belohnung winkt ein toller Blick auf die Spree vom Höhepunkt der Wilhelm-Spindler-Brücke – und eine rasante Abfahrt, wo wir nicht den Abzweig verpassen dürfen: Auch zielgenaues Bremsen will geübt sein! 180-Grad-Schleifen zu fahren ebenfalls. Eine ideale Übungstour.
Nachdem erst der Angerstein- und dann der Eiselenweg passiert wurde, geht es wieder am Wasser entlang. Eine Baustelle zwingt hier allerdings zu einem Schlenker. Hoffentlich bleibt nach Fertigstellung der Luxuswohnungen in der Wasserstadt Spindlersfeld der wunderschöne Uferradweg für alle erhalten!

Zehn Kilometer sind bis hierher jetzt etwa absolviert. Wem das reicht, der steigt mit seinem Rad nun in Spindlersfeld in die S-Bahn. Wer aber jetzt erst so richtig auf den Geschmack gekommen ist, radelt auf den gut markierten Radwegen auf der Oberspree­straße über die Lange Brücke weiter. Beim Schloss Köpenick muss man einen Gang runterschalten und das Rad durch den Schlossgarten schieben. Was den Blick für die Schönheit der Anlage schärft. Kommt Kaffeedurst auf? Bei Mutter Lustig lohnt sich die Einkehr: Kuchen, Kaiserschmarrn und Eis munden auf der Terrasse am Wasser besonders gut. Wer mag, kann sich hier sogar ein Bötchen mieten. Oder die hier nach gut 15 Kilometern nächste Gelegenheit zur Rückkehr mit der S-Bahn wahrnehmen.

Wer noch Energie hat, schwingt sich wieder auf das Rad und fährt eine kurze Strecke auf guten Radwegen durch Köpenick zum Müggelsee, dem größten See Berlins. Die Strecke am Ufer ist lang und schön, weiter ginge es durch die Krumme Laake/ Pelzlaake bis hin zur S-Bahn-Station Erkner. Wer es bis hierher schafft hat stolze 30 Kilometer mehr auf dem Tacho – und ist um die Erkenntnis reicher: #cyclingisfreedom – eigene Wege wählen und anhalten, wo es gerade passt. Ein Gefühl – unbezahlbar!

  1. Treptower Park
  2. Hafenküche
  3. Altes Kraftwerk Rummelsburg
  4. Wuhlheide
  5. Sommerbad Wuhlheide
  6. S-Bahn Spindlersfeld
  7. Schloss Köpenick
  8. Mutter Lustig
  9. Müggelsee
  10. S-Bahn-Station Erkner
Die Bykegees
Foto: Anette Krüger

Annette Krüger (Mitte), 46, ist Gründerin vom #BIKEYGEES e.V., einem gemeinnützigen, spendenfinanzierten Verein, der 2018 den Deutschen Fahrradpreis gewann und seit 2015 über 500 Frauen und Mädchen aufs Rad gebracht hat – unabhängig von Herkunft, Religion, Fluchthintergrund oder Status. Jeden 3. Sonntag im Monat findet von 14–16 Uhr in der Jugendverkehrsschule Wassertorplatz, Kreuzberg, kostenloses Fahrradfahrtraining statt.  Weitere Infos: www.bikeygees.org


Wenn Sommer in Berlin Einzug hält, zeigt sich die Hauptstadt mit ihren vielen Parks und Bademöglichkeiten von ihrer schönsten Seite. Man kann hier echte Abenteuer erleben – oder auf Entdeckertour gehen. Denn für die urbane Kletterszene ist Berlin ein einziges Gebirge: Beim „Buildering“ erobern sie Mauern, Brücken und manchmal auch Fassaden. Andere zieht es in die lauschigen „Dörfer“ der Hauptstadt: Die knapp 1.000 Kleingartenanlagen gehören zum öffentlichen Grünland. Echte kulinarische Genüsse erlebt man auf den vielen Food-Festivals.

Die Fahrradtouren findet ihr in unserem Sonderheft „Sommer in Berlin
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