Spuk und Trug

Berlins gruseligste Orte

Kerker, Flammen und ein untoter Hund: gruselige Orte und ihre Geschichte

Graues Kloster
Wer die Klosterstraße entlangläuft, stößt auf die Ruine einer Kirche. Sie ist das letzte Überbleibsel des gotischen Franziskanerklosters, das seinen Beinamen der grauen Tracht seiner Mönche verdankt. Einer von jenen, die um 1300 dort lebten – so wird erzählt – hieß Pater Roderich. Vor seinem Klostereintritt soll er Junker gewesen sein und ein schönes Burgfräulein geliebt haben. Als man ihre Liaison entdeckte, jagte man ihn davon, wobei er sich ein Bein brach und fortan hinkte.
Gebrochenen Herzens und als Krüppel ging er ins Kloster. Sein Charakter veränderte sich und er wurde böse – stiftete seine Brüder sogar zum Mord an. Irgendwann tauchte ein junger Mann im Kloster auf, Roderich geriet mit ihm in Streit und sperrte ihn in den Keller. Als er geraume Zeit später erfuhr, dass der Unbekannte sein Sohn war, eilte er hinab, um ihn zu befreien: Doch er war tot. Roderich, der daraufhin weinend zusammenbrach, wurde wegen seiner düsteren Machenschaften von einem wütenden Mob erschlagen. Noch heute soll er nachts wehklagend in der Kirchruine umgehen.

Schloss Tegel
Die weißen Türme dieses Anwesens ragen schon seit 1558 am Rande des Tegeler Forsts empor. Beinahe ebenso lange kursieren Geschichten über einen Poltergeist. Der Sage nach hat er sich Ende des 17. Jahrhunderts manifestiert: Die damaligen Schlossbesitzer, Mitglieder der kurfürstlichen Familie von Brandenburg, bemerkten mysteriöse Dinge. Es war das Knallen von Peitschen zu hören, glühende  Steine schossen auf die Bewohner zu und Flammen loderten in den Sälen des Schlosses auf. Schließlich nahm der Geist Gestalt an: mal als düster wabernder Nebel, mal als riesige Schattengestalt. Nachdem er lange Angst und Schrecken verbreitet hatte, verschwand der Geist so plötzlich wie er aufgetaucht war. Manch einer will ihn aber auch in jüngster Zeit noch gesehen haben – etwa in Form eines mysteriösen Flammenkopfes vor den Schlosstoren.

Schloss Köpenick
Um dieses barocke Wasserschloss ranken sich zahllose Geschichten. Die bekannteste handelt von einer jungen Adeligen, die sich in einen Bürgerlichen verliebte. Bei einem seiner heimlichen Besuche, nach denen sie ihm stets von der Schlossbrücke aus mit ihrem Schleier zuwinkte, soll ihre Liaison entdeckt und grausam bestraft worden sein: Er wurde angeblich an einem Brückenpfeiler erhängt und sie bei lebendigem Leib im Burgverlies eingemauert. Seitdem sollen ihre Seelen ruhelos umherziehen und es gab immer wieder Menschen, die meinten, nahe der Brücke Seufzer zu hören oder einen Schleier wehen zu sehen. Außer den unglücklichen Liebenden sollen in und um das Schloss Köpenick weitere Geister umgehen. Darunter ein schwarzer Hund mit glühenden Augen. Bis heute soll er urplötzlich im Dunkeln auftauchen – häufig an der Brücke im Schlosspark.
Sie liegt am Ufer der Havel nordöstlich der Spandauer Altstadt und ist eine der bedeutendsten Festungen der Hochrenaissance: Die Spandauer Zitadelle. Ihr ältester Teil, der bereits im Mittelalter erbaute Juliusturm, war wichtigstes Wehrgebäude, wurde aber auch als Gefängnis genutzt. Im Laufe der Jahrhunderte waren hier unzählige Kriminelle und Staatsverbrecher interniert – sie wurden durch das „Angstloch“ im Turmboden ins Verlies herabgelassen. Eingesperrt in Dunkelheit und klammer Kälte, bei Wasser und Brot, starben viele von ihnen einen qualvollen Tod. So auch Anna Sydow, die Geliebte von Kurfürst Joachim II., die nach dessen Ableben 1571 von seinem Sohn ins „Loch“ geworfen wurde. Die „schöne Gießerin“, wie Sydow auch genannt wurde, überlebte vier Jahre, bis sie schließlich verhungerte. Getrieben von Rachegelüsten soll sie seither als weiße Frau durch die Zitadelle spuken. Gesichtet wird sie unter anderem immer dann, wenn ein Mitglied des Hauses Hohenzollern stirbt.

Bethanien
Wo heute Künstler und Kulturschaffende aus aller Welt an ihren Projekten arbeiten, wurde bis 1970 operiert und therapiert. Das „Bethanien“ am Mariannenplatz war ursprünglich ein Krankenhaus. Da die Architektur des Baus, der 1845 bis 1847 im Auftrag von Friedrich Wilhelm IV. entstand, weniger auf Funktionalität als auf Schönheit ausgelegt war, herrschten teils fürchterliche hygienische Zustände. Zu Kriegszeiten soll es zudem zu akutem Ärztemangel gekommen sein. Dementsprechend hoch war die Sterberate. Und mancher, der hier seinen letzten Atemzug tat, so wird gemunkelt, soll nach wie vor mit dem „Bethanien“ verbunden sein und als Gespenst durch seine Räume geistern. Von paranormalen Erscheinungen berichteten, wie auch in Sarah Khans „Die Gespenster von Berlin“ nachzulesen, unter anderem einige Kunststipendiaten, die in dem ehemaligen Krankenhaus lebten und arbeiteten. Sie fühlten sich beobachtet, hörten mysteriöse klagende Laute, und sahen schemenhafte Wesen in den Korridoren.

Selbstmörderfriedhof
Der Grund, warum der Friedhof Grunewald-Forst  „Selbstmörderfriedhof“ genannt wird, ist ein historischer: Das kleine Grabfeld liegt auf einer Lichtung des Grunewalder Forstes, nahe einer Biegung der Havel. Immer wieder trieben dort Wasserleichen ans Ufer – darunter auch viele Selbstmörder. Diese wurden zu Zeiten der Friedhofsgründung, um 1878, als Todsünder betrachtet, weshalb die Kirche ein Begräbnis verweigerte.
Deshalb legte die Forstverwaltung diesen Waldfriedhof an. Nicht nur, wer den Freitod in der Havel wählte, sondern auch viele andere Selbstmörder wurden von nun an hier bestattet. Etliche brachten sich auch in Friedhofsnähe um. All die „unerlösten Seelen“, so die Sage, sollen ruhelos in Nacht und Dämmerung dort umgehen. Berichtet wird von seltsamen Geräuschen und Schatten, die zwischen den Gräbern umherhuschen. Im Sommer 2010 will eine Anwohnerin eine dunkle Gestalt in Konsistenz einer Rauchwolke gesehen haben, die aus der Havel aufstieg.