Berlin

Best of 48 Stunden Neukölln

Bei rund 400 Festivalbeiträgen an 270 Veranstaltungsorten kann man schon mal den Überblick verlieren.  Wir empfehlen einige Highlights des Festivals – doch zwischendurch sollte man sich auch durch die Straßen treiben lassen. Denn oft zeigen sich die faszinierendsten Dinge, wo man sie nie erwartet hätte

Junge Kunst NK

Ein Festival im Festival für Kinder und Jugendliche. Unter dem Titel „Schlaraffenland“ geht es in diesem Jahr darum, wie eine Welt aussehen kann, in der Träume wahr werden. Smartphones wachsen an Bäumen, ein Wasserfall besteht aus Schokolade und ein Jungbrunnen macht es möglich, dass man nie erwachsen werden muss. Die ­Beiträge stammen von Schülern der Neuköllner Grundschulen oder sind in Jugendclubs, Projekten mit jungen Geflüchteten und den Kursen des Kinderkünste-Zentrum Young Arts Neukölln entstanden. Weitere Beiträge sind unter anderem in den Neukölln Arcaden, dem Kinder- und Jugendzentrum Lessinghöhe oder auch am Körnerpark zu sehen.
Verschiedene Orte in Neukölln,  Fr 10–So 19 Uhr


 Kunsträume Neukölln

Heute kaum mehr vorstellbar: 2005 gab es extrem viele leerstehende Ladenlokale in Neukölln, so dass eine „Zwischennutzungsagentur“. So entstanden viele Ateliers und nicht-kommerzielle Projekträume. Manche konnten bleiben und bieten bis heute ein sehenswertes Programm abseits des Mainstreams. 18 Neuköllner Kunsträume haben sich vor kurzem zur Plattform ­„Kunsträume Neukölln“ zusammengeschlossen, um sich intensiver auszutauschen. Zu den 48 Stunden finden täglich Führungen. Mit dabei sind unter anderem: Spektrum, mit Schwerpunkt auf Medienkunst sowie Arbeiten zwischen Kunst und Wissenschaft. Der Verein WerkStadt, der laufend spannende Kunstaktionen im Körnerpark initiiert. Sowie Neon Kunst, deren Programm sich um die Themen Genderrollen, Religion und Mystik bewegt.
Verschiedene Orte in Neukölln, Fr 19–So 19 Uhr


Musikschiff

Das Musikschiff ist mittlerweile eine feste Institution im Festival geworden und entsprechend hoch ist meist der Andrang. Also empfiehlt es sich, zeitig an der Anlegestelle zu sein, denn die Plätze sind heiß begehrt. In diesem Jahr spielen unter anderem Montag Mania, experimenteller Electro-Pop aus Schweden, sowie Barbara Morgenstern, die seit vielen Jahren Musik zwischen rhythmischen Electronica und Songwriting macht.
Spree-Prinzessin, Schiffsanleger Wildenbruchbrücke, Abfahrt je zur vollen Stunde, Sa 14–20 Uhr, So 13–19 Uhr


Offene Ateliers

Während des Festivals laden viele Neuköllner Künstler in ihre Ateliers. So kann man etwa dem italienischen Maler Davide Biagotti bei der Arbeit zusehen und mit ihm über Maltechniken und Motive plaudern. Wer in Martin Kestings „Roof Top Studio“ ­hinaufsteigt, bekommt eine Ausstellung mit Objekten und fotografischen Arbeiten zu den geteilten Städten Berlin und Jerusalem zu sehen. Gleich auf fünf Etagen wird in der Schönstedtstraße 13 Kunst produziert. Auch das Atelierhaus öffnet zum Festival seine Tore. Hier arbeiten etwa die Installationskünstler Almyra Weigel und Max Sudhues sowie der Maler Kai Jetter.
Atelier Davide Biagiotti, Sonnenallee 194, Sa 11–20, So 14–19 Uhr,  / Roof Top Studio, Nogatstr. 39, Seitenflügel re., 5. OG, Fr 19–22, Sa 14–22, So 14–19 Uhr / Patrick Thomas Studio Berlin, Weichselplatz 3–4, 1. Hof, 2. OG re., Fr 19–23, Sa 11–23, So 11–19 Uhr / Atelierhaus Schönstedtstr. 13, Schönstedtstr. 13, 1. u. 2. Hinterhof, Fr 19–23, Sa 14–19, So 14–19 Uhr


Vollgutlager

Das Vollgutlager der Alten Kindl­brauerei wird seit wenigen Monaten als Veranstaltungsort genutzt und bildet eines der Zentren zu 48 Stunden Neukölln. Hier zu sehen: Eva Schmeckenbechers Arbeit „Festmahl“, basierend auf mehreren Fotoprints aus dem Familienalbum. Aus sieben recycelten Glascontainern hat Andreas Heim einen begehbaren „Dom“ gebaut. Und bei „Hirn meldet Hunger“ von Carolin Koch verfolgt der Betrachter über mehrere Objekte der Künstlerin, was bei Hunger und Sättigung im Körper passiert.
Vollgutlager in der ehem. Kindlbrauerei, Fr 19–Sa 2 Uhr, Sa 11–So 2 Uhr, So 11–19 Uhr, Rollbergstr. 26, Eingang über den Vorplatz


Hi-Res! Berlin

In einem alten Parkhaus befindet sich die Berlin-Dependance der Kreativagentur Hi-Res!, die auch in diesem Jahr einen Teil ihrer Räumlichkeiten für Festivalbeiträge zur Verfügung stellt. In Panthea Lachins Videoarbeit „An… Denken“ frisst ein Bagger alte Häuser. Der Fotograf Antti Pussinen nimmt die Perspektive eines Jägers ein, der nicht aus Hunger tötet, sondern aus Spaß am ­Töten. Und Philipp Hahn, der 2014 bei 48 Stunden Neukölln eine äußerst faszinierende „Zeitmaschine“ präsentierte, ist in diesem Jahr mit einer interaktiven Videoinstallation dabei.
Hi-ReS! Berlin, Fr 19–23, Sa 14–22, So 14–19 Uhr, Ganghoferstr. 10, Eingang Parkhaus / 5. OG


Food

Essen zu fotografieren ist zu einer Kulturpraktik geworden. Nora Del Cero nimmt die Hochglanzoptik aufs Korn: Küchenschwämme arrangiert sie zu Sahnetorten, Toastbrotscheiben stapelt sie zu einem ­turmhohen Sandwich – als Symbol einer Überflussgesellschaft, in der Essen nicht zwingend Nahrung ist, sondern zur Dekoration wird.
Blender & Co, Fr 19–Sa 2 Uhr, Sa 11 –So 2 Uhr, So 11–19 Uhr, Boddinstr. 32/33


Teilen Macht Reich

Im Sharehouse Refugio leben seit einem Jahr Menschen, die ihre Heimat verloren haben – auch viele Flüchtlinge. Das Projekt der Berliner Stadtmission ist ein einzigartiges Experiment: Die Bewohner lernen Deutsch und engagieren sich je nach Fähigkeiten in der Hausgemeinschaft und im Kiez. Während der 48 Stunden Neukölln ist das Wohnprojekt offen für Besucher. Das Programm reicht von Tanzaufführungen, einer Fotoausstellung, Storytelling und Kunstworkshops bis zu Stadtführungen mit den Geflüchteten. Auch außerhalb des Festivals kann man übrigens das Café von Sharehouse Refugio besuchen (Di-So 10-18 Uhr).

Sharehaus Refugio, Lenaustr. 4, Fr 19–20 Uhr, Sa 14–20 Uhr


Alle Infos auf der Website von 48 Stunden Neukölln