Kino

Bildbuch

Jean-Luc Godard war mal der größte Erneu­erer des Kinos. Mit „Außer Atem“ schuf er 1960 eine wegweisende ­Synthese aus Popkultur und Hochmoderne. 60 ­Jahre später ist er weiterhin enorm produk­tiv, aber seine Position ist nun die eines legendären Außenseiters: ­Godard macht schon seit Jahren im Grunde ­immer wieder den gleichen Film – komplexe Collagen, in denen Film- und Realgeschichte nicht zu trennen sind.

Zwischen „Geschichte(n) des Kinos“ (1998) und seinem neuesten Film „Bildbuch“ hat sich allenfalls die geopolitische Situation verändert: Wir sind nun ein Stück weiter von den Ereignissen des 20. Jahrhunderts entfernt, die auch für ­Godard (Jahrgang 1930) entscheidend wurden – die Todeslager und die Entkolonialisierung. „Le livre d’image“ lautet der Originaltitel, erstaunlich ist, dass „Bild“ im Singular steht. Denn der Film besteht aus vielen unterschiedlichen Bildern, dazu Tonfetzen aller Art und wie gewohnt die Stimme von Godard selbst.

Das Bild als Moment der Bedeutung
Foto: Casa Azul Films Ecra nNoir

Wenn es so etwas wie eine Geschichte gibt, dann findet man sie am ehesten in einer Passage über einen Aufstand in einem arabischen Emirat. Aber das ist nur ein Fragment einer mächtigen Bewegung: Godard plädiert mit dem Menschheitsmediengedächtnis – mit all den Zeugnissen, die er hier in ein Buch aus Bildern gleichsam „bindet“ – für einen melancholischen Humanismus, der revolutionär über sich hinauswächst.

„Le livre d’image“, F/CH 2018, 85 Min., R: Jean-Luc Godard, Start: 4.4.

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