URAUFFÜHRUNG

Black Maria

„Am Anfang war der Knacks“. René Pollesch führt in den Kammerspielen einen launigen Diskurs über Filmgeschichte, Repräsentanz und Identität

Das erste Filmstudio der Welt – im DT neu errichtet: Katrin Wichmann, Franz Beil, Benjamin Lillie (Projektion), Marion Rommel (Souffleuse), Astrid Meyerfeldt – Foto: Arno Declair

Pollesch-Stücke dürfen nicht von anderen inszeniert werden als vom Autoren selbst. Deshalb ist jede Pollesch-Premiere gleichzeitig ein Inszenierungs-Unikat. Mit rund zwei Stunden ist dabei „Black Maria“, die zweite DT-Premiere des einstigen Volksbühne-Hausregisseurs (nach „Cry Baby“), eine der längsten Produktionen des Diskurstheater-Meisters, ideale Kinofilmlänge – wie passend zur Berlinale.

Denn inhaltlich geht’s irgendwie auch um Film. „Black Maria“ hieß nämlich das erste Filmstudio der Welt, eine 1892 errichtete drehbare Hütte aus Teerpappe mit aufklappbarem Dach, um das Sonnenlicht als Scheinwerfer zu nutzen, die Nina von Mechow auf der Bühne der DT-Kammerspiele maßstabgetreu neuerrichtet hat.

Aber das Setting dient nur für einen tendenziell heiteren Diskurs über Illusion und Wirklichkeit, Repräsentanz und Identität und den „Knacks“, das unbewältigte Traumapäckchen, das wir in uns tragen. Gleichwohl ist der Grundsound nicht deprimiert, sondern äußerst fröhlich in den langen Monologen, die die bewährten Pollesch-Spieler Astrid Meyerfeldt und Franz Beil mit den DT-Mimen Katrin Wichmann, Jeremy Mockridge und Benjamin Lillie sehr launig stemmen.

Musikalisch ist der Ton auch eher harmonisch gestimmt, es geht von Italopop bis zu Al Stewards Folkrockklassiker „On The Border“. Ein harmloser Abend, aber, doch ja, durchaus nett. FRIEDHELM TEICKE

15.+23.2., 20 Uhr, 16.2., 19 Uhr, 24.2., 19.30 Uhr, Deutsches Theater-Kammerspiele, Schumannstr., 13a, Mitte. Regie: René Pollesch; mit Franz Beil, Benjamin Lillie, Astrid Meyerfeldt, Jeremy Mockridge, Katrin Wichmann. Eintritt 23–30, erm. 9 €