Fotografie

Blick Verschiebung

Das ZKR zeigt Fotografie und Film aus Ostdeutschland, die den Einfluss von Politik auf Provinzen und Städte untersuchen

Der Trick besteht aus alten Türen von Plattenbauten. Schloss Biesdorf, eigentlich eine Fabrikantenvilla, besitzt viele Fenster,. Sie lassen jede Ausstellung zur Herausforderung werden, besonders solch eine kleinteilige wie die Fotoschau „Blick Verschiebung“ über die Zeit kurz vor und etwas länger nach der Wende. Denn immer schweift der Blick nach draußen, in den sanierten Park und über neue Einfami­lienhäuser.

Foto: Frank Sperling, 2017
Auf Türen von Raumlabor: Ludwig Rauch: Aus der Serie: Kleine Welt, 1986-89, Courtesy der Künstler; Installationsansicht im ZKR, Foto: Frank Sperling, 2017

Die Architektengruppe Raumlabor hat aus der Not eine Tugend gemacht. Aus den Türen hat sie Sitze und Raumteiler gebaut, die als Blickachsen dienen. So wird klar, dass die Entwicklung von Stadt und Landschaft draußen mit dem zusammengehört, was drinnen zu sehen ist. Foto­grafien von den späten 80er-Jahren bis in die Zeit kurz nach der Finanzkrise berichten und verdichten, wie Politik und Wirtschaft in Ostdeutschland Städte, Dörfer, Landschaften und Menschen geprägt haben: poetisch und bestürzend vor allem bei Seiichi Furuya, Ludwig Rauch, ­Tobias Zielony und in Clemens von Wedemeyers Film aus Halle.

Die umfangreiche Ausstellung ist eine erste Zusammenarbeit des ZKR mit dem neuen Brandenburgischen Landesmuseum, in dem das Cottbusser Museum Dieselkraftwerk mit seiner Fotosammlung aufgegangen ist. Und sie ist von derartiger Wucht, dass sich nur mehr von solchen Kooperationen zu wünschen bleibt. Auch wenn die Grün Berlin GmbH das ZKR zu Februar an den Bezirk Marzahn-Hellersdorf zurückgeben wird und einen neuen Ort für das Zentrum suchen will.

Bis 8.4.2018: ZKR Schloss Biesdorf, Alt Biesdorf 55, Mi–Mo 10–18 Uhr, 5/ erm. 2,50 €

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