World-Party-Pop

Abschiedskonzert von Bonaparte

Mit einem letzten Album und zwei allerletzten Konzerten in seiner Geburtsstadt verabschiedet sich der Partykaiser von seinem hedonistischen Gefolge

Will nicht mehr Kaiser Bonaparte sein: Tobias Jundt
Foto: Dadi Thierry Kouame

Die schlechte Nachricht zuerst: Tobias Jundt hat angekündigt, dass er künftig nicht mehr mit seinem Projekt Bonaparte live auftreten wird, und trägt damit die wohl beste Live-Band Berlins, auf jeden Fall die spektakulärste, zu Grabe. Die gute Nachricht: Noch zwei letzte Konzerte spielen Bonaparte in der Stadt, deren irrwitzigen Aufstieg vom Provinz-Kaff zum weltweit geschätzten Party-Hotspot sie entscheidend mitzuverantworten haben. Nun aber die richtig schlechte Nachricht: Die Konzerte sind natürlich schon ausverkauft (und wir wollen jetzt auch niemandem empfehlen, sich mit zwielichtigen Ticket-Tauschbörsen einzulassen).

Dass Bonaparte zuletzt nicht mehr so völlig die alten waren, dass die Zeit des überlebensgroßen Mummenschanz’, der dicken Schminke und der durchinszenierten, hedonistischen Auftritte langsam vorbei ist, das deutete sich schon seit einigen Jahren an. Das im Sommer erschienene sechste, und wie man nun weiß: letzte Album „Was passiert ist“ markiert einen radikalen Wendepunkt. Darauf verabschiedet sich der gebürtige Schweizer Jundt nicht nur vom internationalen Englisch und schreibt erstmals deutsche Texte. Er will auch musikalisch von dem scheppernden, aber tanzbaren Party-Rock, mit dem Bonaparte zum Aushängeschild der Partywelthauptstadt wurden, nichts mehr wissen. Stattdessen spielen Bonaparte nun Weltmusik im allerbesten Sinne.

Dazu reiste Jundt nach Abidjan und spielte dort – fasziniert von der vibrierenden Aufbruchstimmung in der größten Stadt der Elfenbeinküste, die ihn an das Berlin der Nullerjahre erinnerte – zusammen mit lokalen Musikern Songs ein, die einerseits afrikanisch klingen, andererseits aber auch problemlos in einem europäischen Club funktionieren können. In den Texten kritisiert er Konsumterror und Neoliberalismus, zitiert Herbert Grönemeyer, singt mit seiner ebenfalls in Berlin lebenden Landsfrau Sophie Hunger ein Duett auf Schweizerdeutsch und begrüßt Bela B. und Farin Urlaub von Die Ärzte als Gäste.

Es ging also, wie immer bei Bonaparte, von Berlin hinaus in die weite Welt. Aber die radikale ästhetische Umgestaltung war trotzdem ein Wagnis, das man vielleicht auch dann leichter eingehen kann, wenn man weiß, dass das Ende nahe ist. Also: Bringen wir Bonaparte, den alten Partykaiser, unter die Erde. Und tanzen auf seinen Knochen, auf dass die ein allerletztes Mal laut klappern.

Sa 30.11. + So 1.12., 20 Uhr, Festsaal Kreuzberg, Am Flutgraben 2, Treptow, ausverkauft