Kino

Born in Evin

Zwei Handtücher zeigt ihr der Vater, beide gehörten Mitgefangenen, die hingerichtet wurden, er selber hätte der Dritte sein sollen. Das war in Evin, einem berüchtigten Gefängnis für politische Gefangene im Iran, wo der Vater von Maryam Zaree nach der Revolution 1979 als Oppositioneller einsaß, ebenso wie seine Frau. Beide hatten schon in Opposition zum Schah-Regime gestanden, aber erst ihre Ablehnung dessen, was Ayatollah Khomeini machte, brachte sie dorthin. Hier wurde Maryam Zaree 1983 geboren – etwas, wovon ihr ihre Mutter nur wenig und widerwillig erzählt hat.

Born in Evin
Foto: Real Fiction

35 Jahre später will die Tochter Licht ins Dunkel bringen, die Eltern zum Sprechen animieren. Sie befragt auch Verwandte und Psychologen und erfährt dabei, dass ihr Schicksal kein Einzelschicksal war. Die Teilnahme an einem Gerichtstribunal in Den Haag, bei dem viele Opfer das Wort ergreifen, erschließt weitere gesellschaftliche Zusammenhänge.

Zwischen der eigenen Geschichte und deren Einordnung springt der Film hin und her. Aber selbst in der Ironie des von Maryam Zaree gesprochenen Off-Kommentars ist die Schwierigkeit des Sprechens spürbar. Maryam Zaree, bekannt aus „Shahada“,und der TV-Serie „4 Blocks“ (als Ehefrau von Clanchef Tony Hamadi), hat mit „Born in Evin“ einen eindringlichen Film gegen das Schweigen gemacht.

D 2019, 96 Min., R: Maryam Zaree, Start: 17.10.