Landschaftskunst

Botanischer Park wird Green Cube

Eine Ausstellung schmeichelt dem Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow

Wenn Künstler den White Cube verlassen und ihre Arbeit in einen Zusammenhang mit der Natur stellen, provozieren sie Fragen. Denn die Kunst vermag es zwar nicht, die Natur zu toppen, aber sie kann ­neben rein ästhetischen Kontrapunkten auch das Bewusstsein für die Disharmonie zwischen Gesellschaft und Umwelt schärfen.

Die neue Ausstellung „The Analogy between Bulbs and Buds“ im Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow zeigt von 13 internationalen Künstlerinnen und Künstlern Inter­ventionen, die sich nicht alle sofort mit Aplomb zu erkennen geben. So hat die im vergangenen Jahr mit dem „Berlin Art Prize“ ausgezeichnete Rike Horb auf einer Wiese Löcher ausgehoben, den Aushub in Beton gegossen und als Passstücke daneben gelegt. Eingearbeitet ist in den Beton jeweils ein Ziegelstein. Beide Materialien versinnbildlichen Gestaltungs- und Normierungswillen, Abgrenzungspolitik und Mauern von Staaten – und widersprechen damit dem grenzüberschreitenden Wildwuchs der Natur.

Im Kakteenhaus lässt Ulrike Mohr ein Mobile mit geköhlerten Holzstücken schweben („PFLANZE – NICHT –  PFLANZE“, 2016). Weiteres schwarzgebranntes Material hat sie wie Schmuck zwischen den Pflanzen drapiert. Der Clou: Die meisten Holzteile sind industriell gefertigt – sie stammen aus dem Baumarkt. Mit ihrer schwarzen Oberfläche bilden sie einen ästhetisch reizvollen Kontrast zu der grün schattierten Fauna.

Die in Boston geborene und in Berlin ­arbeitende Künstlerin Zoë Claire Miller hat leuchtend weiße Porzellanblätter in das dichte Grün des Kakteenhauses eingeschmuggelt und spielt damit auf Mutationen an. In einer anderen Ecke flehen zwei Mimosen die Besucher an: „Fass mich nicht an, ich bin schüchtern“. Ein kritischer ­Kommentar von Kasia Fudakowski zur menschlichen Eigenschaft, alles betatschen und „begreifen“ zu wollen. Die in Pflaumenbäumen installierten Wasserwaagen von Santiago Taccetti nehmen den utilitaristischen Normierungswahn der modernen Gesellschaft auf die Schippe, die ­Natur industriell passend formen zu wollen.

Als etwas einfach gestrickte Hommage an die Arbeiter hinter den Kulissen dieses Parks, der 1909 als Schulgarten angelegt wurde, erinnert Alona Rodeh mit ihrem aus Mistgabel, Signaljacke und Straßenbauelementen erbauten Denkmal. „Where Is Your Park“ lautet schließlich die Frage auf einem T-Shirt: Das Motiv füllt eine große Stellwand inmitten einer Wiese und stammt von dem norwegischen Künstlerduo Aurora Sander. Es spielt auf die Vermarktungsstrategie von Popstar Beyoncé mit ihrer Freizeit­mode „Park“ an. Gleichzeitig kann es als Kritik an Privatisierung und Kommerzialisie­rung von Parkanlagen gelesen werden. Etwas bissigere Arbeiten hätten der nicht völlig überzeugenden Ausstellung durchaus gut getan. Dennoch lohnt die Anreise, denn es wartet eine gepflegte Naturoase, für deren Zutritt ein Euro nötig ist.

Bis 18.6.: Botanischer Volkspark, Blankenfelder Chaussee 5, Park: Mo–So Sonnenaufgang bis -untergang, Gewächshäuser: Di–Do 10–14, Fr–So 11–17 Uhr. Eintritt: 1 €, bis 14 J. frei

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