Berlin

Cannabismesse Mary Jane

Auf der Cannabismesse Mary Jane machen sich Firmen  für die Legalisierung bereit

Die USA, das große Vorbild: Das war einmal. Nur in einer speziellen Branche schaut man nach wie vor auf die Vereinigten Staaten und die ungeahnten Möglichkeiten dort: Für Cannabisproduktehersteller sind die USA, einst Initiator des weltweiten Verbots, derzeit das heißeste Land der Welt. Ein gigantischer Markt, der immer weiter liberalisiert wird. Sie hoffen, dass der Legalisierungstrend, wie so viele US-amerikanische Trends vor ihm, auch nach Deutschland gelangt.

Und so treffen sie sich vom 16. bis zum 18. Juni im Funkhaus Nalepastraße, um ihre Produkte vorzustellen, Kontakte zu knüpfen und sich die perfekte Ausgangsposition zu sichern. „Die Zeichen der Hanf-Branche stehen in Deutschland auf Wachstum“, sagt Duc Anh Dang, 26, Geschäftsführer der Messe „Mary Jane“. Zu der steht das gesamte Funkhaus Nalepastrasse im Zeichen der ältesten Nutzpflanze der Welt. Während im Funkhaus über 150 Aussteller ihre Produkte zeigen, findet im Außenbereich mit Blick auf die Spree das „Mary Jane Berlin Festival“ statt, mit hochkarätig besetzten Podiumsdiskussionen, Vorträgen, Live-Konzerten und DJs.

Denn nicht nur in der Produktentwicklung, sondern auch in der Legalisierungsdebatte passiert deutschlandweit und international gerade sehr viel. Entspannender Freizeit-Konsum und teils auch der Eigenanbau sind ab 2018 an der gesamten US-Westküste gestattet, 30 US-Bundesstaaten haben den medizinischen Nutzen der Pflanze anerkannt.

Der Meilenstein, der die Hoffnung der deutschen Cannabisaktivisten auflodern ließ, war die am 10. März in Kraft getretene Gesetzesänderung, mit der bestimmten Patienten Cannabis legal zugänglich gemacht wird. Erstmals seit den Zeiten der Druiden, Hexen und Heiler ist die medizinische Wirkung von Hanf in unseren Breitengraden wieder offiziell anerkannt. Erwiesen ist, dass der enthaltene Wirkstoff Cannabidiol (CBD) bei Parkinson-Patienten Symptome lindert, und auch bei Alzheimer, Schlafstörungen, einigen posttraumatischen Belastungsstörungen, Asthma und einer Vielzahl von Nervenkrankheiten, Entzündungen und Allergien helfen kann.

Foto: Mary Jane Berlin GmbH / www.maryjane-berlin.com

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gründete für die Einführung der medizinischen Produkte eigens eine „Cannabisagentur“. Sie kontrolliert künftig den Anbau, die Ernte, die Verarbeitung, die Qualitätsprüfung, die Lagerung, die Verpackung sowie die Abgabe. Doch dem Berliner Balkon-Bauern wird die Chance, sich etwas extra zu verdienen, von Anfang an genommen: Deutsche Gründer sind nicht nur auf ein stattliches Eigenkapital, sondern auch auf ausländische Partner mit viel Erfahrung angewiesen. Die europaweite Ausschreibung endete Anfang Juni, wer das Rennen um den neuen Markt des deutschen Medizinalhanfs gewonnen hat, steht noch nicht fest.

Da Berlin verschiedenen Studien zufolge als „Hauptstadt der Kiffer“ gilt, in der 69 Prozent der Menschen zwischen 16 und 27 Jahren die Droge probiert haben und ein Drittel davon angibt, dreimal pro Woche oder öfter zu konsumieren, gibt es im Konferenzprogramm auch Themen wie „Was wird aus meinem Führerschein?“ Außerdem liest Andreas Müller, bekannt als einer der härtesten Jugendrichter Deutschlands, aus seinem Buch „Kiffen und Kriminalität: Der Jugendrichter zieht Bilanz“. Hans Cousto wird über „50 Jahre Kifferkultur“ sprechen, es wird Vorträge geben wie: „Cannabisanbau leicht gemacht“. Es treten Ärzte auf, die über die medizinischen Vorteile der Droge sprechen und Politiker von FDP, SPD und der Linken diskutieren die Legalisierung der Pflanze. Was den Ausflug nach Treptow-Köpenick erleichtern wird, ist die Shuttle-Fähre, die Besucher von der Jannowitzbrücke direkt zur Messe bringt.

Fr–So 16.–18.6., Funkhaus, Nalepastr. 18, Oberschöneweide, Programm: maryjane-berlin.com