Kino

Capernaum – Stadt der Hoffnung

Zain ist ein Junge aus dem Libanon. Er ist wohl um die zwölf, seine Schwester Sahar ist nicht viel älter, auch sie noch ein Kind. Aber sie soll schon verheiratet werden. Denn die Familie von Zain ist bitterarm. Und der Mann, der ein Auge auf Sahar ­geworfen hat, hat nicht nur Geld; ihm ­gehört auch die Wohnung, in der Zain mit seiner Familie lebt.

Aber der Junge wehrt sich, er kämpft für Sahar, er kämpft für das letzte bisschen Würde, das es noch zu bewahren gilt in einem Leben voller Not. Der Streit mit dem Vater eskaliert so weit, dass Zain davonläuft – nun ist er endgültig auf der Straße, nachdem er schon zuvor als kleiner Händler dort viel Zeit zugebracht hat.

Capernaum Stadt Der Hoffnung
Foto: Alamodefilm

Er taucht nun vollends ein in eine Stadtlandschaft, die Nadine Labaki als verwirrend und chaotisch zeigt, aber auch als eine Zuflucht, in dem kleine Formen von Solidarität möglich sind. „Capernaum“ heißt der Film, der deutsche Verleih ­wollte dieses im Deutschen unverständliche Wort für eine Welt radikalen Elends nicht ohne etwas positives Denken ins Kino schicken: „Stadt der Hoffnung“, so der Untertitel. Diese Hoffnung muss man ­aber suchen. Fern von Sozialromantik und Kindchenschema führt Nadine ­Labaki in eine Welt, die auch zu der europäischen Flüchtlingskrise gehört – wenn man ­bereit ist, Zusammenhänge ohne ­die nationale Brille zu sehen. 

„Capharnaüm“, LIB 2018, 123 Min., R: Nadine Labaki, D: Zain Al Rafeea, Cedra Izam, Yordanos Shiferaw, Start: 17.1.

Infos und Termine:

Capernaum – Stadt der Hoffnung