Kino

Carmine Street Guitars

Er müsse langsam mal im 21. Jahrhundert ankommen, sagt Cindy Hulej, die Auszubildende des Gitarrenbauers Rick Kelly, zu ihrem Chef. Sie fotografiert die Gitarren, für die sie Brandmalereien designt und auch selbst fertigt, stellt die Bilder ins Internet und freut sich über die Resonanz. Doch Rick interessiert das nicht sonderlich. Er baut lieber seine handgefertigten Gitarren aus historischem Holz, das er auf New Yorker Baustellen und in Abbruchhäusern findet, und parliert in seinem kleinen Laden in Greenwich Village mit seinen zum Teil berühmten Kunden über alte Zeiten.

Cindy mit einer von ihr verschönerten Gitarre
Foto: Sphinx Productions

Der Film des Dokumentaristen Ron Mann ist dabei so unaufgeregt und sympathisch wie seine beiden Hauptprotagonisten, die in einer sich immer schneller drehenden Welt stur ihrer handwerklich-künstlerischen Arbeit nachgehen, in der sie nicht das große Geld suchen, sondern eine persönliche Befriedigung. Natürlich geht es in „Carmine Street Guitars“ auch um Gitarren und Musik, doch im Kern ist der Film ein Dokument des Wandels: Mit seinen Besuchern spricht Rick Kelly über die Veränderungen im Viertel, und natürlich bewahrt er dank des Werkstoffes Holz in seinen Gitarren immer auch ein Stück vom „alten“ New York. Das ist längst bedroht, wenn nicht schon verschwunden: Das Haus nebenan wurde gerade verkauft, der Makler schaut auch bei Rick und Cindy mal herein. Zu sagen hat man sich nichts, hier prallen zwei gänzlich fremde Welten aufeinander.

CDN 2018, 80 Min., R: Ron Mann, Start: 29.8.