Kunst

Anthony Caro: The Last Judgement

Die mehrteilige Monumentalskulptur von Anthony Caro holt in der Gemäldegalerie das Jüngste Gericht ins 20. Jahrhundert

Perfekt ausgeleuchtet steht in der zentralen Wandelhalle der Gemäldegalerie, was Menschen das Fürchten lehrt: ein „Tor des Todes“, Darstellungen von Habgier, Neid und Gnadenlosigkeit, eine Giftkammer, Gehängte, Megaphone, Fäuste. Der britische Bildhauer Sir Anthony Caro (1924-2013) hat in seiner 28-teiligen Monumentalskulptur „The Last Judegement“ („Das Jüngste Gericht) menschlichen Abgründen halb figürlich, halb abstrakt Gestalt gegeben: in Holz und Messing, mit alten Schränken, Türen, mit Stahl und Beton, den Baustoffen des 20. Jahrhunderts, in dem das Morden industrialisiert wurde.

©David von Becker
Anthony Caro: The Last Judgement. Skulptur der Sammlung Würth in der Gemäldegalerie ©David von Becker

Die Skulptur aus der Sammlung Würth in Künzelsau, die 1999 auf der Biennale von Venedig stand, dient in der Gemäldegalerie als Anregung, Bilder der ­Alten Meister neu zu sehen. Ein Programmheft weist den Weg zu Gemälden vom Jüngsten Gericht etwa von Fra Angelico und Lucas Cranach d. Ä.. Die Kluft zwischen ihnen und Caro lässt deutlich werden, wie sehr sich in der Neuzeit das Verhältnis abendländischer Menschen zu einem Gott verändert hat: Richter über Lebende und Tote scheinen jetzt allein sie zu sein. Doch der Verantwortung, die dieser Machtzuwachs mit sich bringt, so der Schluss aus Caros Werk, sind sie nicht gewachsen. Auch wenn am Ende des Parcours Posaunen von Erlösung künden.

Bis 12.7.: Gemäldegalerie, Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di/Mi, Fr 10–19, Do bis 20 Uhr, Sa/So 11–18 Uhr, 10/5 €, bis 18 J. frei