Klamauk

Champignol wider Willen

Herbert Fritsch kommt erneut sehr komisch

Durchgeknalltes Ensemble mit Ursina Lardi (re.) – Foto: Thomas Aurin

Louis de Funès lebt! Wenn Robert Beyer mit grotesken Gesten und übertriebener Mimik den Adjudanten Ledoux gibt, scheint der Gendarm von Saint Tropez wiederaufzu­erstehen. Ja, es macht insgesamt wieder sehr viel Spaß, diesem von Herbert Fritsch inszenierten Typenkabinett zuzugucken.

Bastian Reiber etwa als Lebemann Saint-Florimond, der sich als der Maler Champignol ausgeben muss, um seinen Fast-Seitensprung mit dessen Frau Angèle zu vertuschen, ist ein Ereignis herrlichster Grimassen- und Körperkomik. In der ­Rolle des Gatten zieht er sogar für den einberufenen Maler ins Manöver, um Madame nicht zu kompromittieren, die Ursina Lardi elegant-lustvoll mit einer Mischung aus derber Bourlesque und souveränem Spott verkörpert.

Und so nimmt das überdrehte Clownsspiel der Verwechslungen, Camouflagen und Notlügen munter seinen irren Lauf, kokettiert allerdings mitunter allzu gefährlich mit der Klamotte, zumal die Kunst- und Militärkritik von George Feydeaus Komödienklassiker in Herbert Fritschs Inszenierung kaum eine Rolle spielt. Ihn interessiert das ebenso durchgeknallt wie perfekt choreografierte Vaudeville-Spiel, musikalisch untermalt von einem virtuosen Trio um Komponist Ingo Günther.

Kein doppelbödiger, aber doch ein sehr unterhaltsamer Abend. FRIEDHELM TEICKE

3.–5.12., 20 Uhr, Schaubühne am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Regie: Herbert Fritsch; mit Bastian Reiber, Florian Anderer, Ursina Lardi, Carol Schuler, Axel Wandtke, Robert Beyer, Ingo Günther u.a., Eintritt 7–48, erm. 9 €