Der Test

Chillen im Parklet

Warum das denn?

Eigentlich meinte der Senat es gut: Mehr Platz für Fußgänger und Fahrräder wollte er schaffen. Dafür ließ er im letzten Jahr sogenannte Parklets bauen –zwölf  Meter lange Holzbuchten an der Straße, mit Bänken oder Fahrradständern darin. Sie sollten Teil einer „Begegnungszone“ werden – denn in der anonymen Großstadt geht der persönliche Kontakt zu den Mitmenschen schnell mal verloren. An der Schönhauser Allee gibt es nun vier Parklets. Autofrei – wie ursprünglich geplant – wird die Straße aber nicht.

Wie war’s?

Die Testerin . Foto: Meret Eikenroth

Statt im teuren Hipstercafé Soja-Latte zu schlürfen, genieße ich meine Spezi heute auf einer harten Holzbank an der Hauptverkehrsstraße. Nur 1,50 Euro muss ich dafür am gut 100 Meter entfernten Kiosk berappen – die Versorgungslage ist also top! Weniger gut gefällt mir der Ausblick: eine geschlossene Reinigung, ein Frisör und – typisch Prenzlauer Berg – eine Kinderkunstgalerie. Davor ein paar gelbe Tonnen. Weiter geht es mit der urbanen Romantik, als ich bemerke, dass hinter mir im Drei-Minuten-Takt LKW vorbeirauschen. Zugegeben, es sind nur knapp sieben Grad – vielleicht gesellt sich ja auch deswegen niemand zu mir. Stattdessen fühle ich mich wie auf dem Präsentierteller für vorbeilaufende Fußgänger, die mich ungläubig mustern. Immerhin: Ein Paketbote von DHL nickt mir kurz zu. Ansonsten bleibe ich heute allein. Nach etwa einer Stunde tut mir der Hintern weh und ich mache mich enttäuscht auf den Heimweg.

Wie geht’s weiter?

Von Anfang an gab es viel Ärger um die Parklets: Sie seien zu teuer (etwa 35.000 – 50.000 Euro pro Stück), gefährdeten den Verkehr, würden zur Müllhalde. In der Bergmannstraße werden sie ab Ende Juli wieder abgebaut. Diese Verkehrsutopie ist eher nicht geglückt.