Kino

Chris the Swiss

Aus dem jugoslawischen Bürgerkrieg, den er anfangs vor Ort als Journalist begleitete, ist Christian Würtenberg 1992 nicht mehr lebend in seine Heimat Schweiz zurückgekehrt. Seine Cousine Anja Kofmel war damals klein. Heute arbeitet sie als Regisseurin und versucht, den Gründen für Chris’ Tod nachzuspüren.

Dazu führt sie ganz klassisch Gespräche: mit Verwandten, mit Ex-Journalistenkollegen sowie Söldnern, die am damaligen Konflikt beteiligt waren. So entsteht ein Bild von Chris: abenteuerlustig, mutig, leichtsinnig, naiv.

Foto: Real Fiction

Ein großer Teil des Dokumentarfilms aber besteht aus schwarzweißen Animationssequenzen, einem langen surrealen Albtraum vom Krieg: Anja Kofmels Imagina­tion davon, wie es in Kroatien damals wohl hätte gewesen sein können. Die Qualität ihres Films liegt dabei in der gelungenen Abstraktion von einer persönlichen Geschichte auf eine allgemeinere Ebene: Wie sieht Journalismus in Kriegsgebieten aus? Was macht Krieg mit einem?

Denn Chris gab irgendwann die Neutralität des Beobachters auf und schloss sich einer paramilitärischen Einheit aufseiten der Kroaten an. „Rechtsextreme Kriminelle“, sagt eine Journalistin, „ein Haufen Hirnkranker.“ Als er da wieder weg­wollte, wurde er vermutlich von der eigenen Truppe getötet. Ein Söldner erklärt Chris’ Fehler, als er glaubte, er schlage sich auf die moralisch richtige ­Seite: „Im Krieg besteht die Wahl nicht zwischen Gut und Böse, sondern zwischen Böse und sehr Böse.“ 

CH 2018, 90 Min, R: Anja Kofmel, Start: 31.1.

 

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