Literatur

Christian Klier: Der Späti

Bewertung: 4/4

zitty-Kritik (05/2014)

Getränke alle, Milch sauer oder Bock auf Süßes mitten in der Nacht? Der Späti hilft. Und anscheinend trifft sich die ganze Welt im Spätverkauf. Aber was kauft man da, und was tun, wenn der Lieblingsladen plötzlich zu hat? Wenn ein Berliner Student eine Diplom­arbeit im Bereich der visuellen Kommunikation schreiben muss, sind auch außergewöhnliche Ideen willkommen. Diese Erfahrung hat Christian Klier gemacht. Für seine Diplomarbeit hat er sich 200 der insgesamt 900 Berliner Spätis angeschaut. Im Laufe seiner Suche hat Christian Klier ein paar Zahlen gesammelt: Der durchschnittliche Berliner Kiosk ist ein 38 Quadratmeter großer Raum, in dem 1.300 Liter Bier lagern und mit täglich 260 Kunden, von denen 60 Prozent unter 30 Jahre alt sind. In dem hübschen, bunten Buch hat der ­Autor den Tante-Emma-Laden von heute in Text und Bild gewürdigt. Dabei gleicht kein Späti dem anderen: Es gibt Back-Spätis, Tele-Spätis und klassische Bier-Spätis, einige haben zusätzlich Werkzeuge im ­Angebot, andere Schuhe, Waffen oder ­exklusive Magazine. „Jeder dieser Läden ist ein Unikum“, erklärt Klier. Der Händler macht den Laden. Er kennt mindestens 40 Prozent der Kunden beim ­Namen und gestaltet seinen Kiosk selbst, ohne Normen. Manche Verkäufer entwickeln neue Geschäftsmodelle: Es gibt Kombinationen aus Spätkauf und Hotel, Baumarkt, Schuhgeschäft oder Reisebüro. „Der Späti ist ein Kommunikationspunkt, ein sehr sozialer Ort“, erzählt Christian Klier, „aber auch ein Stück Freiheit, die es ihren Kunden ermöglicht, nicht nach der Norm/Uhr ticken zu müssen.“

Berlin Story Verlag, Berlin 2013
176 Seiten, 9,95 Euro

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