Kino

Christo – Walking on Water

In den Filmen, die in den 80er- und 90er- Jahren von den Direct-Cinema-Pionieren Albert und David Maysles über die Projekte des bulgarischen Künstlers Christo und seiner 2009 verstorbenen Frau Jeanne-Claude gedreht wurden, stand stets die Überzeugungsarbeit im Mittelpunkt. Denn Großkunst in Landschaftsräumen benötigt Genehmigungen. Die Skepsis anderer Menschen ausräumen – das gehörte zu Christos Kunst dazu.

In dem Dokumentarfilm des bulgarischen Regisseurs Andrey Paounov über das Projekt „The Floating Piers“ von 2016, bei dem mit gelbem Stoff bespannte Stege den italienischen Iseosee für 16 Tage begehbar machten, spielt Überzeugungsarbeit nun keine Rolle mehr. Denn alle finden Christo toll – wenn schon nicht aufgrund von Kunstsachverstand, dann dank der Touris­tenströme, die seine Werke anlocken. Also wird anderes wichtiger: etwa die von einem Sturm behinderten Installationsarbeiten, vor allem aber das Chaos, das die Besuchermassen verursachen.

Im Zentrum des Geschehens: Christo (hinten) auf dem Iseosee
Foto: Wolfgang Volz

Und es gibt die tragikomischen Seiten des Ruhms: der lustlose Christo bei einem Dinner mit der High Society und beim Selfie mit Touristen – ach, wie anstrengend! Dass sich die Dinge verändert haben, ist natürlich nicht Schuld des Regisseurs. Sein Film blickt liebevoll-ironisch auf den – nicht immer einfachen – Künstler und den manchmal merkwürdigen Kunstbetrieb um ihn herum. Trotzdem: Früher war mehr Lametta.

USA/I 2018, 100 Min., R: Andrey Paounov, Start: 11.4.