NEUER CIRCUS

Circa’s Peepshow!

Die australische Neue-Circus-Compagnie Circa agiert in ihrer ersten Berliner Show unter ihren Möglichkeiten

Tolle Akrobaten, dünne Handlung – Foto: Andy Phillipson

Das Ensemble Circa um seinen kreativen Mastermind Yaron Lifschitz hat mit in Berlin gastierenden Produktionen wie „Wunderkammer“ und „Beyond“ überzeugend gezeigt, dass der zeitgenössische Circus eine avantgardistische Performance­kunst ist, in der Tanz, Musik und Akrobatik in einem dramaturgischen Konzept zu einem ganz eigenen Gesamtkunstwerk verschmelzen. Stets arbeitet Lifschitz in seinen Shows mit Burlesque-Elementen, und so gibt es natürlich auch in seiner ersten in Berlin erarbeiteten Produktion, die schon im Titel mit dem lüsternen Blick kokettiert, viel nackte Haut.

Doch besonders im ersten Teil fühlt man sich dramaturgisch eher ins gute alte Nummernprogramm zurückversetzt, allzu brav werden akrobatische Acts vorgeführt, zu wechselnden Songs vom Band. Da agiert Circa eher überraschungslos unter seinem längst gesetzten Standard.

Auch der von Lifschitz im Programmheft und im ZITTY-Interview behauptete Perspektivwechsel zwischen Akteuren und Zusehenden wird kaum erfüllt. Einmal aber doch, als ein Zuschauer aus dem Pub­likum auf die Bühne geholt wird. Der Einfall ist überraschend, irritierend und provoziert tatsächlich einen mehrfachen Perspektivwechsel des Betrachters, soll aber hier nicht verraten werden. Auch der ­zweite Teil nach der Pause versöhnt ein wenig darüber, dass „Circa’s Peepshow!“ meist eher wie eine Fingerübung, ein Nebenbei-Produkt wirkt. FRIEDHELM TEICKE

bis 17.2.2019, Di-Fr 20 Uhr, Sa 18 + 21.30 Uhr, So 18 Uhr, Chamäleon Theater, Rosenthaler Str. 40/41, Mitte. Regie: Yaron Lifschitz, Libby McDonnell; Eintritt 37–59, erm. 28–44 €

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