Drama

Clair Obscur

Einblicke in die türkische Gesellschaft im Spiegel zweier Frauenleben

Funda Eryiğit, Mehmet Kurtuluş
Foto: Real Fiction/Unafilm

„Tereddüt“ heißt Yeşim Ustaoğlus Spielfilm im türkischen Originaltitel – ­„Zögern“. Hier spiegelt sich der Blick der Regisseurin, der erst später zu dem ­seiner beiden Hauptprotagonistinnen wird. ­Deren Leben wirkt zunächst weniger unentschlossen: Elmas (Ecem Uzun) darbt mit ihrem älteren Ehemann und dessen Mutter in einem Küstenort bei Istanbul. Es ist Winter, das Städtchen verlassen und trostlos. Elmas schmeißt den Haushalt und spritzt die Schwiegermutter mit Insulin. Ein Leben, das an den Titel von Ustaoğlus vorangegangenen Film erinnert – „Araf“ (2012) – „Fegefeuer“.

Ein Feuerchen lodert auch im anderen Filmstrang, der Chehnaz (Funda Eryiğit) zeigt, eine Frau um die 30. Im Istanbuler Designer-Apartment knistert das Kaminfeuer zur Dekoration und das Fleisch zischt in der Pfanne. Zubereitet wird es von Cem (Mehmet Kurtuluş), einem gutaussehenden Architekten. Chehnaz steht für eine moderne, urbane Türkei.

Aber Yeşim Ustaoğlu möchte von mehr erzählen als den zwei Seiten der Türkei. Deutlich macht sie das, indem sie beide Geschichten zusammenführt – Chehnaz arbeitet als Psychiaterin in einer Klinik, in welcher sie einer verstörten Elmas ­begegnet. Was Freiheit ist, weiß keine von ­beiden Frauen. Yeşim Ustaoğlu spricht von einer Gesellschaft „die von innen heraus verfault“.

„Tereddüt“, TK/D/PL/F 2016, 105 Min., R: Yeşim Ustaoğlu, D: Funda Eryigit, Ecem Uzun, Mehmet Kurtuluş

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