Filminstallation

Clemens von Wedemeyer

Der Berliner Künstler zeigt in der Galerie KOW ein filmisches Re-Enactment von Protesten gegen unterbezahlter Kulturarbeit

 

So etwa könnten verkohlte menschliche Überreste aussehen: Wer hinabsteigt in das Untergeschoss der Galerie KOW, trifft auf zwei schwarze Torsi am Boden. Allerdings sprechen sie leise miteinander. Clemens von Wedemeyers Soundinstallation „Cast Behind You The Bones Of Your Mother“ macht den Horror plastisch.
Zu hören sind Deukalion und Pyrrha, einzige Überlebende einer von Zeus ausgelösten Sintflut, hier auferstanden als 3D-Sand-Drucke, gleichsam als Verkörperung des griechischen Mythos, der eine neue Generation aus Knochen und Steinen erwachsen lässt.
Wedemeyer scannte dafür zwei Statuen des CineArs Ateliers, das seit 1932 Requisiten für die Filmstadt Cinecittà in Rom produziert. Für die beiden anderen hier aufgebahrten Skulpturen, nutzte der Berliner Videokünstler ein Verfahren, das bei Rekonstruktionen zerstörter Tempel eingesetzt wird.
Während im Obergeschoss eine Filmcollage Götter und Dämonen aus Klassikern wie „Jason und die Argonauten“ zu einem Inferno aus geisterhaften Menschen und beseelten Objekten zusammenlaufen lässt, finden im Erdgeschoss die Arbeitsbedingungen in der Kultur in ein Re-Enactment. In einem Video spielen Schauspieler des von der Privatisierung bedrohten und besetzten Teatro Valle einen Aufstand 1958 in Cinecittà nach. Damals stürmten Tausende Arbeitslose, die vergeblich auf einen Komparsenjob in „Ben Hur“ gehofft hatten, die Studios.

6.1.–27.2.: Galerie KOW, Brunnenstr. 9, Mitte, Mi–So 12–18 Uhr

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