Kino

Climax

Eine Gruppe von Tänzer*innen kommt in einem Raum zusammen, um zu proben. Die Stimmung verändert sich radikal, nachdem offensichtlich der Sangria mit einer Droge versetzt wird. Das Ensemble stellt eine erlesene Auswahl von jungen, athletischen Individualisten aller Hautfarben und sexuellen Neigungen dar. Sie stellen sich im Prolog auch alle vor, man kann sie in Ansätzen kennenlernen. Und dann legen sie los. Die erste halbe ­Stunde von „Climax“ ist schlicht sensationell, eine unglaubliche Gruppenperformance mit einer extrem beweglichen, interagierenden Kamera.

Climax
Foto: Alamode Film

Dann aber kommt, was bei Gaspar Noé im Grunde nicht anders denkbar ist: Für ihn ist Kino immer ein Trip, eine ­formale wie inhaltliche Gratwanderung, aber der Trip ist letztlich immer ein schlechter. ­Dabei ist es selbst für Noés Verhältnisse (er ist immerhin der Regisseur des Vergewaltigungsfilms „Irreversibel“) enorm, wie sehr er in „Climax“ die Geschichte in den Albtraum kippen lässt.
Alles das, was vorher Verführung und ­jugendlicher Leichtsinn war, ­jungenhafte Präpotenz oder androgyne Vieldeutigkeit, wird nun in dem labyrinthischen Set zu ­einer einzigen Höllenfahrt: „Climax“ wird zu einem Theater der Grausamkeit, und man wünscht sich vergeblich zurück zu der Energie des Filmanfangs. Die Musik aber ist auch danach noch ein Erlebnis für sich. 

F 2018, 95 Min., R: Gaspar Noé, D: Sofia Boutella, Souhela Yacoub, Romain Guillermic, Start: 6.12.

Climax (2018)