Berlin

Was wird aus den Piraten?

Ach, die Piraten. Inzwischen ist fast die gesamte Berliner Fraktion aus der Partei ausgetreten. Doch was wird aus ihnen nach der Abgeordnetenhauswahl nächstes Jahr? Fünf Sozialprognosen Text: Stefan Tillmann

Gerwaldt Claus-Brunner Foto: Piratenfraktion Berlin
Gerwaldt Claus-Brunner Foto: Piratenfraktion Berlin

Claus-Gerwald Brunner

Typ: Freak

Der Mann mit dem Pali-Tuch und der Latzhose war einer der meistfotografierten Politiker des Jahres 2011. Danach wurde es schnell still um ihn, der gelernte Mechatroniker begann parallel ein Maschinenbaustudium und sitzt heute im Petitionsausschuss, der als parlamentarisches Abstellgleis gilt. Versuchte zwischendurch noch Berliner Landeschef zu werden, verlor aber kläglich. Brunner kann es egal sein. Er wurde angeblich auf dem Heimweg von einem Dänemark-Urlaub der Eltern geboren und bereits von Charlotte Knobloch kritisiert. Das ist mehr als die meisten Menschen in ihrem Leben erleben.

Prognose: Wird Baustellenleiter am BER


Christopher Lauer Foto: Piratenfraktion Berlin
Christopher Lauer Foto: Piratenfraktion Berlin

Christopher Lauer

Typ: Ehrgeizling

Er war schnell das Gesicht der Piraten, obwohl oder gerade weil er in den eigenen Reihen viele Neider hatte. Stand vor jeder Kamera, redete in einem Affentempo, verwirrte und nervte viele Menschen, ehe er mit dem Bekenntnis einer ADHS-Erkrankung eine halbwegs brauchbare Erklärung für seine Dauer-Twitterei abgab. Macht inzwischen mehr oder weniger hauptberuflich irgendwas mit Internet beim Springer-Konzern.

Prognose: Wird das nächste „durchgeknallte Arschloch“


Andreas Baum Foto: Piratenfraktion Berlin
Andreas Baum Foto: Piratenfraktion Berlin

Andreas Baum

Typ: Nerd

Im Wahlkampf 2011 der Spitzenkandidat. Er wurde bekannt, als er als in einem TV-Duell Berlins Schulden auf „viele, viele Millionen“ schätzte – tatsächlich waren es damals 60 Milliarden Euro.  Baum war der Prototyp des Piraten: ein Techie, guten Willens, aber politisch naiv. So hörte er recht schnell als Fraktionschef auf, Machtspielchen mit Christopher Lauer waren offenbar nichts für ihn. Wird ihm aber langfristig egal sein. Der gelernte Industrieelektroniker, der früher bereits mal eine IT-Firma gegründet und verkauft hat, sagte bereits 2011, dass er nach der Politik gerne wieder eine Firma gründen würde.

Prognose: Wird als nächster Zuckerberg „viele, viele Millionen“ verdienen – mindestens


Martin Delius Foto: Piratenfraktion Berlin
Martin Delius Foto: Piratenfraktion Berlin

Martin Delius

Typ: Streber

Er hat alles richtig gemacht, und doch wieder alles falsch. Zur Erinnerung: Die Piraten waren angetreten, um alles anders zu machen. Und dann kam Martin Delius und stieg hochmotiviert in den Betrieb ein – zunächst als parlamentarischer Geschäftsführer. Mit parlamentarischer Penetranz wurde er zum Vorzeigepiraten und später als Fraktionschef und Leiter des BER-Untersuchungsausschuss zum Medienliebling. Allerdings gefiel er sich in der Rolle so sehr, dass er gar nicht merkte, dass die Menschen außerhalb des parlamentarischen Betriebs von der Fraktionsarbeit kaum etwas mitbekamen.

Prognose: Wird ein ganz normaler SPD-Politiker


Fabio Reinhardt Foto: Piratenfraktion Berlin
Fabio Reinhardt Foto: Piratenfraktion Berlin

Fabio Reinhardt

Typ: Romantiker

Bevor er ins Abgeordnetenhaus einzog, schlug er sich als freier Journalist durch und verdiente seine Geld mit fragwürdigen politischen Jobs, etwa beim ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jörg Tauss, der wegen des „Besitzes kinderpornographischer Schriften“ verurteilt wurde. Im Berliner Parlament wurde Reinhardt zunächst dadurch bekannt, dass er sich mit Parteikollegin Julia Schramm verlobte, was manch einer merkwürdig fand – nicht wegen der Verlobten. Inzwischen setzt sich Reinhardt für Flüchtlinge ein, sitzt unter anderem im Gnadenausschuss und entging nur fast einem Shitstorm, als er mit Parlamentskollegen den Flüchtlingsschlager „Und sie suchen nur das Morgen“ sang.

Prognose: Wird Schlagerstar, Neuauflage von „Es fährt ein Zug nach Nirgendwo“

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