Kino

Cobain

Wer benennt sein Kind nach einem Typen, der sich erschossen hat? Das fragt sich Cobain (Bas Keizer), 15 Jahre alt, der rastlos zwischen Jugendheim und Pflegefamilie tingelt und wenig Glück im Leben kennt – außer beim Fußball, wo die Sorgen für einen winzigen Moment verfliegen. Besonders am Herzen liegt ihm seine Mutter Mia (Naomi Velissariou), heroinabhängig und hochschwanger, die den Kontakt zu ihrem „kleinen Mann“ zwar sporadisch unterhält, zwischen Prostitution, Alkohol und Drogenkonsum aber nur wenig Zeit für ihn findet.

Als Cobain von seiner frisch zugeteilten Pflegefamilie abhaut, gerät er an den alten Wickmayer (Wim Opbrouk) – ein ehemaliger Liebhaber seiner Mutter – der Prostituierte bei sich zu Hause aufnimmt und nachts auf die Straße schickt. Mit Gelegenheitsjobs unterstützt Cobain Wickmayer bei seiner Zuhälterei, schläft mit den Frauen und füttert den Hausleguan, bis Mia eines Tages vor der Tür steht und ihn um Hilfe bittet: Sie wollte ihn nie verlassen. Ohne all die anderen seien die beiden doch unzertrennlich. Und ob er etwas Geld für sie hätte? Kurzerhand beschließt Cobain, seiner Mutter und dem ungeborenen Geschwisterkind beim Entzug zu helfen – auf dem Land, im Grünen, mit Methadon.

Cobain
Cobain
Foto: Frank van den Eeden

Ein sensibles Coming-of-Age Drama von Nanouk Leopold, das den jungen Protagonisten stets im Auge behält. Der wird gespielt von Bas Keizer, der wie ein umhergetriebenes Blatt im Wind wirkt, in seiner unschuldig-liebevollen Art aber in jeder seiner Handlungen komplett nahbar bleibt – man wünscht dem Jungen so sehr, anzukommen. In „Cobain“, der seine Weltpremiere bei der diesjährigen Berlinale in der Sektion 14plus feierte, treffen ruhige, farbbetonte Kamerabilder auf ein radikales Leinwandgeschehen und eine rührende Mutter-Sohn-Beziehung, die in all die Dunkelheit immer auch Funken warmen Lichts sprüht.

Cobain NL/B/D 2017, 94 Min., R: Nanouk Leopold, D: Bas Keizer, Naomi Velissariou, Wim Opbrouck, Dana Marineci, Cosmina Stratan, Start: 13.9.2018

Infos und Termine

Cobain (2018)

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