Kino

Cold War

Als der Musikarrangeur Wiktor (Tomasz Kot) Anfang der 1950er-Jahre in Polen ein Gesangs- und Tanzensemble zusammenstellt, das mit traditionellen Liedern die neue Nation auch im befreundeten Ausland repräsentieren soll, begegnet ihm die temperamentvolle Zula (Joanna Kulig). Es entspinnt sich eine Amour fou: Die beiden können weder mit noch ohne einander – die traurigen Liebeslieder scheinen dies stets zu kommentieren.

Wie bereits seinen tollen Vorgängerfilm „Ida“ (2013) hat Pawel Pawlikowski auch „Cold War – Der Breitengrad der Liebe“ in Schwarzweiß und im Normalformat gedreht. Er verfolgt die Geschichte von Wiktor und Zula durch die gesamten 1950er hinweg – mit Zwischenstationen in Berlin, Paris und Jugoslawien – und erzählt dabei stets den gesellschaftspolitischen Hintergrund mit: etwa wenn das ­Ensemble bald schon nicht mehr nur Folklore, sondern Loblieder auf den „wunderbaren Stalin“ singt. Oder wenn sich das Exil-Künstler­leben in Paris auch als ein Kampf entpuppt, nicht als seltsame Exoten wahrgenommen zu werden.

Cold War
Cold War
Foto: Neue Visionen Filmverleih

Ähnlich wie „Ida“ stellt „Cold War“ vor einem radikal persönlichen Hintergrund viele Fragen nach Freiheit und Verantwortung im Leben und in der Gesellschaft: ein kluger Diskussionsstoff, inszenatorisch, kameratechnisch und schauspielerisch beeindruckend.

„Zimna wojna“, PL/GB/F 2018, 88 Min., R: Pawel Pawlikowski, D: Tomasz Kot, Joanna Kulig, Borys Szyc, Cédric Kahn, Start: 22.11.

https://www.zitty.de/event/kino/cold-war-der-breitengrad-der-liebe/