Kino

Colette

Ein Trend: Historische Biografien werden unter modernen Gesichtspunkten neu interpretiert. So hebt der schwule Regisseur Wash Westmoreland („Still Alice“) im Fall der bisexuellen Colette (Keira Knightley) die queeren Aspekte ihres Lebens hervor.

Die 1873 geborene Französin Colette ist erst 16 Jahre alt, als sie den Schriftsteller und Salonlöwen Henry Gauthier-­Villars kennenlernt, der unter dem Pseudonym Willy veröffentlicht. Willy nutzt ihr ­Talent aus – Colettes mit Autobiografischem angereicherte „Claudine“-­Romane erscheinen unter seinem Namen. Nur allmählich kann sie sich aus dieser Ehe und Abhängigkeit befreien – als umstrittene Varieté- Künstlerin, als Schriftstellerin und in lesbischen Beziehungen.

Vorreiterin: Colette (Keira Knightley)
Foto: DCM

Westmoreland konzentriert sich auf die frühen Jahre seiner Protagonistin. Dabei bedeutet der Blick aus weiblicher Perspektive nicht, dass die Männer als eindimensionale Pappkameraden dargestellt wären. Die Beziehungen sind komplexer: In den besten Momenten von Willys Beziehung zu Colette gibt es ein libertäres Einvernehmen, dem anderen bei sexuellen Eskapaden nicht im Weg zu stehen. Doch Willy versteht den Kern von Colettes Auflehnung nicht: Dass er sich ihre „Claudine“-­Romane rechtlich und finanziell angeeignet hat, lässt sie ihren eigenen Weg gehen. Als Colette 1954 stirbt, ist sie eine französische Ikone. 

GB/USA 2018, 111 Min., R: Wash Westmoreland, D: Keira Knightley, Dominic West, Start: 3.1.

Colette (2019)