THEATERINSTALLATION

Coming Society

Susanne Kennedys neue, begeh­bare Inszenierung erinnert an religiöse ­Rituale – lässt einen aber kalt

Maskenhafte Avatare im Bühnenraum – ratlos – Foto: Julian Roeder

Was ist das hier? Eine Utopie? Eine Dystopie? In „Coming Society“ kreist 80 Minuten lang langsam die Drehbühne, auf die Markus Selg eine grob­pixelige Retro­design-Welt mit psychedelischen Mustern gebaut hat. Dazwischen schleichen Avatare herum, deren Stimmen vom Band kommen und die nicht für eine Kontaktaufnahme gemacht sind. Und wir, das Pub­likum.

Wie schon bei „Women in Trouble“ wabern auch jetzt die großen Fragen durch den Raum: Wie wollen wir leben? Muss der alte Mensch überwunden werden? Müssen wir uns selbst aufgeben, um neu zu werden? Uns Flaneuren in der künstlichen Bühnenwelt allerdings stellt sich noch eine andere Frage: Hat das tieferen Sinn oder ist das Esoterik-Kitsch? Zumal einige Dialogfetzen auch aus einer Seifenoper stammen könnten.

Dass sich diese Frage nicht beantworten lässt, ist der spannendste Aspekt des Abends. Vieles erinnert an buddhistische Rituale, anderes ans Christentum, auch an eine Art Gesundheitsreligion, die die Erhaltung des Körpers in den Mittelpunkt stellt. Am Ende allerdings verlässt man die kommende Gesellschaft, wie man sie betreten hat, unverwandelt, unberührt. GEORG KASCH

8.2., 19 + 21.30 Uhr, 9.2., 18 + 20.30 Uhr, 10.2., 12 + 15 Uhr, Regie, Text und Konzept: Susanne Kennedy; mit Suzan Boogaerdt, Ixchel Mendoza Hernandez, Jone San Martin, Dieter Rita Scholl, Kate Strong, Bianca van der Schoot, Ingmar Thilo, Frank Willens, Thomas Wodianka. Eintritt 18, erm. 9 €