»Ich kenne keinen so lodernden Schmerz in mir«

Corinna Harfouch über ihre Rolle in „Lara“

Eigentlich würde sie lieber weniger streng wahrgenommen werden: Corinna Harfouch über ihre Rolle in „Lara“ und das Loslassen beim Schauspielen

Hauptdarstellerin Corinna Harfouch
Foto: STUDIOCANAL / Frederic Batier

Frau Harfouch, es gibt ja manchmal Rollen, die zum Synonym für eine Schauspielerkarriere werden. „Lara“ hat alles, was es dafür braucht, damit das von jetzt an immer in Klammern hinter ihrem Namen stehen könnte.

Ich habe mir noch nie wirklich selbst klar gemacht, was denn die Zutaten für so einen Part wären, für so eine ‚Station‘ in einem Schauspielerleben. Darüber habe ich wirklich noch nie nachgedacht. Mir fehlt dieses Kalkül. Aber ich habe durchaus mitbekommen, dass es so eine Rolle schon bei mir gibt, eine Rolle, die in Gesprächen immer wieder auftaucht – die Magda Goebbels in „Der Untergang“ – die scheinbar alles andere überdeckt (lacht). Angenehm ist das allerdings kein bisschen, auch wenn ich den Film absolut verteidige und froh bin, diese Rolle gespielt zu haben. Einfach, weil ich etwas erfahren wollte über diese Frau.

Was hat Sie an „Lara“ angesprochen?

Lara ist ja auf den ersten Blick nicht so schlüssig. Ich wusste weder zu Drehbeginn noch in der Mitte der Dreharbeiten, wer sie wirklich ist. Vielleicht nicht mal am Ende. Genau das aber hat diese Arbeit unter anderem auch so spannend gemacht. Ich habe mich ihr wie einem Geheimnis nähern müssen und viel darüber nachgedacht, warum sie handelt, wie sie handelt und auf eine Art, wie ich es selbst nicht könnte. Ich bin nicht so konsequent und verhärtet. Ich kenne keinen so lodernden Schmerz in mir.

Und wie war es dann für Sie, sich selbst so auf der Leinwand zu sehen?

Das war tatsächlich eine einzigartige Erfahrung. Jan-Ole Gerster zeigt Laras Geschichte in sehr klaren und durchkomponierten Bildern und Einstellungen: eine Stilisierung, die mir geholfen hat, den Film sehen zu können, ohne mich selbst zu ‚sehen‘ und zu beurteilen. Spiel, Aussehen, Haltung – normalerweise sehe ich beim ersten Filmsehen nichts anderes. Hier war das nicht so. Der Film ist deswegen so schön, weil er einfach in sich stimmig ist, weil alles ineinandergreift. Ich habe mich ja eigentlich schon vor Jahren dazu entschlossen, nicht mehr solche strengen Frauen zu spielen, weil ich mich da ein bisschen verkannt fühle. Ich hab mich tatsächlich oft gefragt, warum denn keiner sieht, wie komisch ich doch auch bin (lacht). Ich habe mich gegen viele solcher Angebote gewehrt und hatte die Nase wirklich voll davon. Wenn das Angebot nicht von Jan-Ole gekommen wäre, hätte ich wahrscheinlich gleich nein gesagt. Aber dieses Abenteuer war es schon wert und auf dem Weg haben wir auch entdeckt, wie komisch sie in dieser Verkrustung mitunter ist und wieviel Heiterkeit sich in ihrer Geschichte entdecken lässt.

Als „streng“ wahrgenommen zu werden, hat sie wirklich belastet?

Ja. Ich bin doch einfach ein Clown (lacht). Das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint, aber ich habe es manchmal wirklich schade gefunden, dass es diese Wahrnehmung gibt und dass das trotz aller Versuche, andere Sachen zu machen, immer ein bisschen kleben geblieben ist. Magda Goebbels trägt da wohl eine gewisse Mitschuld.

Der große Lebensfrust Laras im Film ist, dass sie ihren eigenen Traum nicht verwirklicht hat, weil sie sich nicht für gut genug hielt – nach dem Motto, wenn ich es nicht wirklich beherrschen kann, dann lasse ich es lieber ganz. Wie halten Sie es mit der Perfektion ihrer Kunst?

Wenn ich heute eine Rolle oder ein Projekt annehme, dann packe ich alle meine künstlerischen Siebensachen – aber dann springe ich einfach. Dabei kann man durchaus auch mal hart aufprallen – das kann dann weh tun und ist nicht schön, aber es gab oft genug das Andere. Wenn ich eben nicht alles vorplane und mich eher in Situationen begebe, in denen ich kein Sicherheitsnetz habe, und dieses unangenehme „Ich weiß nicht so genau“-Gefühl ertrage, dann kann etwas Tolles dabei entstehen. Das habe ich für mich herausgefunden, und dass das viel befriedigender ist und genau das, was ich suche.

Loslassen?

Ja. Vom Können, vom Handwerk, von Erwartungen – das bringt man ja eh alles mit. All das aber freier einzusetzen und auch mit der Bereitschaft, sich persönlich zu zeigen. Dass man sich das traut.

Zur Rezension von „Lara“