INTERAKTIVES THEATER

Cyborgcity: Die Schlacht um Troja

Die freie Gruppe Borg Theater – cyborg performing theatre schickt die Zuschauer auf eine futuristische Game-Ralley

Mitspielen ist Pflicht: Cyborgs erwarten dich – Foto: Joscha Kollascheck

Zu Beginn wird man von einem in Plastik gekleideten Cyborgianer angehalten: Mit erhobenem Arm, dicht vor dem Besucher stehend, gibt er einen Kommentar zur Person ab. Wer lieber gut geschützt im Dunkel des Zuschauerraumes versinkt, ist hier auf jeden Fall falsch.

Im Laufe der ­Performance erfährt man, dass die Cyborgianer gegen die Trojaner kämpfen, um das Helena-Programm zurückzuerobern. Man sammelt, während man von Zelt zu Zelt geführt wird, rote oder blaue Spielpunkte, das Ergebnis ordnet einen später den Trojanern oder Cyborgianern zu.

Ich bin froh, zu den Trojanern zu kommen, die sind mir aus alter Gewohnheit die Lieberen. Angeblich haben meine Entscheidungen den Spielverlauf beeinflusst. Tatsächlich ist mein Eindruck, dass ich so lange von den Performern genötigt werde, bis ich die richtige Antwort gebe. Ich ahne, dass das Borg Theater mit der interaktiven Performance – auch immersives Theater genannt – zeigen will, dass die digitale Welt totale Manipulation bedeutet, während das Helena-Prinzip für Menschlichkeit und freie Entscheidung steht.

Eine theatrale Form, um diesen Gedanken glaubhaft nachzuvollziehen, hat es mit Cyborgcity jedenfalls nicht gefunden. Eher fühlt man sich als Besucher einer merkwürdigen Kindergeburtstags-Rallye; leider bekommt man zum Schluss keine Süßigkeiten. REGINE BRUCKMANN

6.–10.6., ab 19 Uhr, Einlass in Gruppen alle 7 Minuten, Kühlhaus Berlin, Luckenwalder Str. 3, Kreuzberg. Regie: Anne-Sylvie König, Rolf Kastelleiner, Eintritt 12, erm. 8 €