Kino

Darkroom

Wenn der schwule Kultregisseur Rosa von Praunheim, der keine Panik vor Penissen hat (sein neues Bilderbuch beschäftigt sich damit), einen Spielfilm mit dem Titel „Darkroom“ vorlegt, denkt man direkt an einen Darkroom, in dem Männer Sex mit Männern haben. Tatsächlich aber geht es um den Darkroom der menschlichen Seele: Der schwule Referendar Lars, Ex-Krankenpfleger, bringt Menschen mit Liquid Ecstasy zur Strecke. Wie böse! „Nach 50 Jahren Emanzipationsbewegung kann man auch mal Schwule als Menschen behandeln und damit auch die ‚bösen Schwulen‘ im Film behandeln“, sagt Rosa von Praunheim der Zitty. „Die Drogenszene bei Schwulen ist schon beängstigend angewachsen.“

Darkroom von Rosa von Praunheim
Im Darkroom
Foto: Missing Films

Lars könnte glücklich sein: Er hat einen einfühlsamen festen Freund; die beiden renovieren eine Berliner Wohnung, necken sich liebevoll. Das kontrastiert hart mit den Morden und den Szenen vor Gericht – und jenen, in denen Lars sich in der Zelle das Leben nehmen will. Man sollte bei Rosa von Praunheims Spielfilmen keine perfekt komponierten Bilder erwarten. Der Film lebt von seinen starken Hauptdarstellen (und Ensemblemitgliedern am Deutschen Theater Berlin): Božidar Kocevski und Heiner Bomhard, die schon in Rosas Theaterstück „Jeder Idiot hat eine Oma, nur ich nicht“ zusammen überzeugt haben.

Der Spielfilm „Darkroom“ (mit kleinen pseudo-dokumentarischen „Interviews“) basiert auf einer wahren Berliner Begebenheit. „Wir haben Rücksicht genommen auf die Persönlichkeitsrechte der Angehörigen“, sagt Rosa. „Beim Täter können wir authentisch sein, nach den Protokollen der Gerichstreporterin Uta Eisenhardt. Wir versuchen, seinem Charakter auf die Spur zu kommen – und wie es kommt, dass jemand dieses große Tabu überschreitet, andere zu töten.“ Letztlich liefert der Film aber keine befriedigende Erklärung für Lars’ Taten – was sie umso unheimlicher macht.

Der Film hat übrigens just das renommierte Max-Ophüls-Festival eröffnet – wo Rosa auch den Ehrenpreis bekam. Zeit für den Ruhestand mit 77 Jahren? Nee! „Ich habe drei neue Filme in Arbeit, einen Roman, tausend Gedichte“, verrät Rosa der Zitty. „Und ich bereite eine große Ausstellung meiner absonderlichen Gemälde vor.“ Na dann: Immer weiter, Rosa!

D 2019, 89 Min., R: Rosa von Praunheim, D: Bozidar Kocevski, Heiner Bomhard, Katy Karrenbauer, Start: 30.1.

Kinotermine:

https://www.zitty.de/event/kino/darkroom-toedliche-tropfen/