BIBELADAPTION

Das 1. Evangelium

Regisseur Kay Voges lässt Jesus’ ­Leidensgeschichte nach RTL-Trash aussehen

Im Bilderrausch: Elisabeth Zumpe, Paul Grill, Christoph Jöde, Julischka Eichel, Paula Kober – Foto: Julian Röder

Das Leiden Christi als B-Movie-Projekt, Film und Making Of, ineinander geschnitten. So lässt sich Kay Voges Inszenierungsidee für das 1. Evangelium nach Matthäus in einem Satz skizzieren. Die Inszenierung, vom Staatsschauspiel Stuttgart übernommen, setzt auf Bilderflut und Anleihen bei ­Pier Paolo Pasolinis gleichnamigem Film.

Zwar beschwört Voges Frank Castorfs Stil in Sachen Erzählweise und Einsatz der Live-Cam. Doch den direkten Vergleich mit dem, was auf dieser Bühne bis vor ­einem guten Jahr noch zu sehen war, besteht der Abend nicht. Die intensive Befragung des Stoffs, Herausforderung der Schauspieler kommen bei Voges arg kurz.

Fleißig reiht er Bilder und Einfälle aneinander und bürstet die Geschichte von der Menschwerdung Gottes plump auf ­heute. Wenig weiß er mit der radikalen Idee der Nächstenliebe anzufangen, mit Aufopferung oder Wahn. So bleibt unklar, was das künstlerische Team am Stoff interessiert haben könnte. Stattdessen flackern gewichtige Zitate über die Leinwände. „Der Tod vollendet die gewaltige Montage des Lebens.“

Alles bleibt Behauptung und Konzept. Die Kritik an der Oberflächenschrubberei wird ironisch vorweggenommen, Pontius Pilatus (Holger Stockhaus) belämmert den schweißnassen Regisseur Fred (Paul Grill) damit. Tja. Die Schauspieler können nichts dafür. Vor allem Julischka Eichel hätte als Jesus sicher mehr drauf gehabt – wenn Voges sich Zeit für sie genommen hätte. ANNA OPEL

8. + 9.12, 19.30 Uhr, Volksbühne, Rosa-Luxem­burg-Platz, Mitte. Regie: Kay Voges; mit ­J­ulischka Eichel, Paul Grill u.a., Eintritt 10–30 €