Neuverfilmung

Das doppelte Lottchen

Als Erich Kästner 1949 seinen Kinderroman „Das doppelte Lottchen“ veröffentlichte, war die Geschichte um die Zwillingsmädchen, die – ohne voneinander zu wissen – von jeweils einem ihrer getrennt lebenden Elternteile aufgezogen worden waren, sogar richtig modern. Alleinerziehende Eltern gehörten in der Adenauerära nicht zum propagierten Gesellschaftsmodell.

Die Modernität hat sich im Laufe der Jahre natürlich etwas verflüchtigt, der Spaß an der Verwechslung ist geblieben. Denn als sich Lotte und Luise zufällig in einem Feriencamp kennenlernen und ihre Verwandtschaft kaum übersehen können, hecken sie einen Plan aus: Lotte wird sich beim Vater als Luise ausgeben, entsprechend wird Luise bei der Mutter die Rolle Lottes übernehmen. Natürlich sind die Schwestern charakterlich ganz verschieden: Lotte ist ein eher braves Mädchen, Luise ein kleiner Wildfang.

Foto: Der Filmverleih

Die Neuverfilmung des beliebten Stoffes entstand 2016 als Koproduktion mit dem SWR und wurde 2017 bereits im TV ausgestrahlt. Doch auch die Kinoauswertung geht in Ordnung: Die Ästhetik ist spielfilmwürdig, das Projekt erfreulich unpeinlich, die Dialoge wirken stimmig. Selbst die Filmförderung des Salzburger Landes kann sich nicht beschweren, soviel Werbung wird hier in Bild und Ton für die schöne Region gemacht. Aus dem charakterlichen Gegensatz der Mädchen macht der Film zwar nicht allzu viel, dafür besitzt er in den charmanten und natürlich agierenden Zwillingsschwestern Mia und Delphine Lohmann in den Hauptrollen einen wirklichen Aktivposten, auf den sich Regisseur Lancelot von Naso hier gern und ganz zu Recht verlässt.

Das doppelte Lottchen, D 2016, 89 Min., R: Lancelot von Naso, D: Mia Lohmann, Delphine Lohmann, Florian Stetter, Alwara Höfels,  Oliver Wnuk, Start: 5.7.